Lennert: Über Umwege zum Studium

Wenn der Weg über Schule und Abitur zur Hochschule ein gerader Weg ist, dann ist Lennert Berkhan Umwege gegangen. Dann hat er Schleichwege genommen, Berge erklommen und Zwischenhalte eingelegt. Ans Ziel gekommen ist der dennoch. Er hat studiert, ohne einen seiner Umwege zu bereuen. Das Bachelorzeugnis für Wirtschaftsinformatik ist in seiner Tasche, der Masterabschluss wird bald folgen.

Dass Noten die Studienwahl einmal entscheiden würden, das war ihm genauso klar, wie allen Schülern der neunten Klasse. Lennert schraubte trotzdem lieber an alten Rechnern, als in die Schulbücher zu schauen. Die Quittung kam mit dem Zeugnis. Mit miesen Noten ins Berufsleben zu starten, das war selbst dem PC-Spieler von damals nichts. Also wiederholte er die neunte Klasse, freiwillig.

Besser benotet schrieb sich die Bewerbung zum Fachinformatiker für Anwendungsentwicklung schon
leichter. Dass er sich verbessern kann, wenn er will, hat den zukünftigen Chef überzeugt. Und so tauschte Lennert das niedersächsische 2000-Seelen-Dorf, in dem er aufgewachsen ist, gegen Hannover ein, lernte drei Jahre erfolgreich den Beruf und sollte als Informatiker übernommen werden. Ziel erreicht, könnte man meinen. Doch Lennert schüttelt mit dem Kopf. » Vorher stand das nie auf meiner Liste, aber jetzt wollte ich studieren «.

Für das Gespräch hat Lennert einen Besprechungsraum bei SAP gebucht. Seit mehr als drei Jahren arbeitet er nun schon bei dem bekannten Softwarehersteller. Gerade hat der 25-Jährige sein Masterstudium für Angewandte Informatik an der HTW Dresden begonnen. Wer wie er ein Studium sucht, in dem Theorie und Praxis eng miteinander verknüpft sind, ist hier genau richtig. 4.800 Studierende sind in 38 Studiengänge eingeschrieben. 40 sind es im Masterstudiengang „Angewandte Informatik“, verteilt auf vier Fachbereiche. » Data Science « heißt seine Fachrichtung. Der Stoff ist anspruchsvoll, die Betreuung intensiv. Mit fünf Kommilitonen sitzt er in den Vorlesungen. 12 bis 13 Lehrveranstaltungen besucht er pro Woche. Zusätzlich ist er für 20 Wochenstunden bei SAP angestellt. Nebenher fürs Studium lernen, das geht nicht ohne Wochenende. » Mein Pensum ist krass «, sagt Lennert selbst. Aber für die Möglichkeiten, die ihm sein Arbeitgeber bietet, nimmt er das gerne in Kauf.

Im Gespräch fällt die Ruhe auf, die Lennert ausstrahlt. Alles an ihm wirkt überlegt. Eine Stärke, mit der er seinen ganz persönlichen Weg zum Studium gemeistert hat. Die Idee, dem frisch ausgebildeten Informatiker nach der Lehre neben seiner Stelle ein Studium zu ermöglichen, hat sein Ausbildungsbetrieb damals nicht unterstützt. Davon abbringen ließ Lennert sich dennoch nicht. Er machte sich als Informatiker selbstständig, überbrückte damit ein Jahr und meldete sich in der Fachoberschule an. Mit dem Fach-Abitur in der Tasche, sprach er beim Softwareentwickler SAP vor – und bekam den Job. Und das Studium, von dem er nicht lassen wollte? Das verband er mit dem Beruf. Mit der Berufsakademie, kurz BA genannt, als akademischen Partner war das möglich.

Für das duale Studium zog Lennert nach Dresden. Mit der SAP-Zweigstelle und der Berufsakademie hatte er alles vor Ort. Die Teilung in Theorie- und Praxisphasen empfand er als großen Pluspunkt des BA-Studiums. Stoff, den er in den Lehrveranstaltungen erarbeitet hatte, direkt in den Studienarbeiten bei SAP anwenden zu können – für ihn perfekt. In mehrere Abteilungen bei SAP konnte Lennert so schnuppern, sogar im Ausland. Für 2,5 Monate arbeitete er bei SAP im kanadischen Montreal. Mittlerweile hat er das Bachelorstudium erfolgreich abgeschlossen. Der Master-Abschluss ist die nächste Station. Ob er auch das Ziel seines Wegs ist? Lennert überlegt. » Dr. Berkhan klingt eigentlich auch nicht schlecht, oder? «