Jenny: Den Ton angeben

» Lehrer zu werden, das sollte eine bewusste Entscheidung sein.« Jenny lernt mit elf Jahren Klavier spielen und wird nun Musiklehrerin.

» Als ich das erste Mal vor dem eisernen, reich verzierten Tor in der Grassistraße stand, war ich ganz ehrfürchtig. Und dann diese Steingebäude und Säulen … «, Jenny denkt gern an die Anfänge ihres Studiums an der Hochschule für Musik und Theater Leipzig (HMT) vor sechs Jahren zurück: » Ich war berauscht von all den Möglichkeiten, die einem diese Kunsthochschule bietet – angefangen von den vielen Studienrichtungen, den Fachschaftsräten bis hin zur Chance, einfach nur Theater zu spielen. Die Leute waren alle so aufgeschlossen und innerhalb von kürzester Zeit hatte man Freundschaften fürs Leben geschlossen. Das war schon eine spannende Zeit «, schwärmt die 26-Jährige. Mittlerweile ist Jenny im 4. Mastersemester und gehört zu den Erfahreneren, die genau wissen, wie besonders die HMT ist: » Die Hochschule hat eine lange Tradition und ist international bekannt, da sie die älteste ihrer Art in Deutschland ist. Deswegen wollte ich auch unbedingt hierher. «

Ihre Erwartungen haben sich weitestgehend erfüllt. Schon vorher wusste Jenny, dass die HMT vor allem eine künstlerische Ausprägung mit vielen verschiedenen Disziplinen anbietet und dass Einzelunterricht gang und gäbe ist. » Wir haben Dozenten, die mit ihrer Art eine Vorlesung zu halten, eine neue Welt öffnen. Das finde ich toll. Nur das mit den Pädagogikseminaren habe ich mir anders vorgestellt. Bei aller Theorie habe ich doch das meiste in den Praktika gelernt. « Am besten gefällt Jenny, dass sie während ihres Studiums künstlerisch aktiv sein kann. In Opernprojekten werden mit Sängern und einem Orchester professionell Opern inszeniert. Auf Hauskonzerten können sich die Studierenden Bestätigung holen – oder kassieren auch mal negatives Feedback.

» Es gibt manchmal schon Momente, in denen ich an meiner Berufswahl zweifele. Zum Beispiel im Schulpraktikum, wenn mal etwas schiefläuft. Dann frage ich mich schon, ob Lehrer der geeignete Beruf ist. Ich tausche mich dann gern mit Gleichgesinnten aus, denn ehrlich: Jeder kämpft mit denselben Problemen. Aber ich finde meine Motivation immer wieder am Klavier. Einfach eine Stunde spielen und ich bin wieder beruhigt. « Ihren Ausgleich zum Studi um holt sich Jenny beim Laufen, Tanzen oder Yoga.

Neben der Hochschule schätzt Jenny auch ihre Wahlheimat Leipzig. Ihre Lieblingsplätze sind der Auenwald und die alte Baumwollspinnerei, die Anfang der 19«90er Jahre zum künstlerischen Szeneviertel avanciert ist, gleichzeitig aber immer noch die Geschichte der Industrialisierung erzählt. » Und ich mag die Leute hier. Die sind so freundlich. «