Gina: Einmal Wirtschaft mit Sprachen, bitte!

Auf dem Weg zum Abitur entdeckte Gina ihre Liebe zu slawischen Sprachen, machte ihrem ursprünglichen Lebensplan einen Strich durch die Rechnung und studiert nun in Görlitz einen einzigartigen Studiengang.

Wirtschaft und Sprachen, beim ersten Hören klingt das, als wäre da eine Studienkombination durcheinandergeraten. Relativ wenig scheinen beide Fächer miteinander gemeinsam zu haben. In Gina Seltmanns Ohren hört sich diese besondere Studienmöglichkeit dagegen nach einer Ergänzung an, nach der sie lange gesucht hat. An der Hochschule Zittau Görlitz hat sie sie gefunden. Hier kann man eine slawische Sprache kombiniert mit Wirtschaft studieren. Einen solchen Studiengang findet man nur zwei Mal in Deutschland.

Im sächsischen Meißen ist Gina aufgewachsen und zur Schule gegangen. Und obwohl die beiden Nachbarländer Tschechien und Polen im Prinzip nur einen Steinwurf weit entfernt sind, war es der Russischunterricht am Gymnasium, der Ginas Liebe zu den slawischen Sprachen geweckt und ihre ursprünglichen Pläne auf den Kopf gestellt hat. „Eigentlich wollte ich Rechtspflege studieren“, erinnert sich Gina.

Gefunden hat sie den einzigartigen Studiengang in Görlitz schließlich auf der Homepage der Hochschule, „durch simples Googlen“, wie sie erzählt. Wenig später schrieb sich Gina für die Kombination Tschechisch-Englisch-Deutsch und Wirtschaft ein. Das alles liegt längst zurück. Genauso wie der klassische Sprachunterricht in den ersten Semestern. Der gehört zu den Grundlagen des Studiums, egal ob man sich für Tschechisch oder Polnisch eingeschrieben hat. Vorkenntnisse in der jeweiligen Sprache sind dabei nicht nötig, vermittelt wird die Sprache von der Pike auf. Muttersprachler unterrichten die Studierenden. Anders dagegen ist Englisch. Das Sprachniveau B2 ist für die Einschreibung Pflicht.

Zu den Sprachmodulen in Tschechisch oder Polnisch kommen in den ersten drei Semestern Unterrichtseinheiten zu wirtschaftlichen Grundlagen. „Sie reichen von BWL und VWL über Marketing bis hin zu Recht“, erzählt Gina. Wen das wirtschaftliche Feld mehr reizt, der kann durch die Wahl spezieller Module seine Wirtschaftskompetenz weiter ausbauen oder sich wie Gina im sprachlichen Bereich profilieren und auf Dolmetschen und Übersetzen setzen.

Um die Praxis geht es dann im letzten Drittel des Studiums. Auf acht Semester ist der Studiengang ausgelegt, am Ende steht die Bachelorarbeit. Die hat Gina noch vor sich, ebenso wie die Prüfungen. Zuvor lockte erst einmal das Auslandspraktikum. Gina führte es für sechs Monate in die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit des Goethe-Institutes in Prag. Die drei Jahre Sprachunterricht seien ihr dabei eine große Hilfe gewesen, um in der tschechischen Landeshauptstadt zurechtzukommen, erzählt sie. Im Team aus tschechischen Muttersprachlern waren vor allem die Übersetzungen ins Deutsche ihre Aufgabe und natürlich das Erkunden des Umlandes. „Durch Ausflüge in kleinere Städte des Landes habe ich gemerkt, dass dort Tschechischkenntnisse essentiell sind, weil kaum Englisch gesprochen wird.

Zurück in Görlitz steht für Gina nun der Studienabschluss an. Wie es mit dem Zeugnis in der Tasche weitergehen wird, lässt sie auf sich zukommen. Ein paar Praktika stünden für sie noch auf dem Plan, zum Abwägen, wo es sie hinführen wird. Ihre Sprachkenntnisse öffnen ihr in vielen Firmen Türen, ihr wirtschaftliches Wissen erst recht. Aber auch als klassische Dolmetscherin könnte sie später arbeiten. Doch bis dahin ist noch ein Sommer Zeit. Und den möchte Gina auch nutzen, um Görlitz zu genießen. Die Stadt, um die sich internationale Filmproduzenten als Kulisse für Historienstreifen reißen, ist für sie längst zur zweiten Heimat geworden. „Es wohnt sich hier einfach gut“, sagt Gina und meint das nicht nur mit Blick auf die günstigen Mieten. Gerade einmal 300 Euro kostet sie die kleine Einraumwohnung in der Innenstadt. Auch die Lage der Stadt ist perfekt für Ausflüge. Tschechien und Polen liegen quasi vor der Haustür. Dresden ist einer guten Stunde, Berlin in drei Stunden erreichbar. Nur 10 km muss man dagegen bis zum Berzdorfer See radeln. Dort verbringt Gina im Sommer am liebsten ihre Zeit.