Michael: In der Welt zu Hause

Michael wollte eigentlich Pilot werden, bis er feststellte, dass Piloten gar nicht so viel mit Technik zu tun haben, wie er sich das vorgestellt hatte. Jetzt hat Michael sein Masterstudium als Wirtschaftsingenieur abgeschlossen und war schon zweimal in China. Für Studenten an der Hochschule für Technik, Wirtschaft und Kultur Leipzig ist ein Praxissemester Pflicht. » Das erste Mal war ich zum Praktikum bei BMW in Shenyang/Nordchina. Im Master habe ich dann chinesisch gelernt und bin nochmal für vier Monate an die Partnerhochschule der HTWK Leipzig nach Hangzhou in der Nähe von Shanghai gegangen. « Das Reisen war auch der Grund, warum sich der 29-Jährige für Wirtschaftsingenieurwesen an genau dieser Hochschule entschieden hat: » Ich wusste, was ich studieren wollte, aber nicht genau wo. Ich habe mich dann unter anderem in der Broschüre › Pack dein Studium ‹ schlau gemacht. Dort wurde die HTWK Leipzig vorgestellt, die mir mit ihrer Praxisnähe und den vielen Auslandskooperationen sofort gefallen hat. Genau das habe ich gesucht. Später habe ich die Kampagne › Pack dein Studium ‹ selbst bei verschiedenen Messen vorgestellt und über meine Art der Studienfindung berichtet. «

Michaels Schwerpunkt ist die Elektrotechnik. Ganz so neu waren die Studieninhalte für ihn aber nicht. Vor seinem Studium hat er Elektriker gelernt und bereits ein Jahr in der Produktentwicklung gearbeitet. » Ich habe mich viel mit Ingenieuren unterhalten, fand es aber auch spannend, was der Vertrieb macht. Also habe ich mein Abi nachgeholt und angefangen Wirtschaftsingenieurwesen zu studieren. «

Dennoch hat Michael bei der Wahl seines Studiums großen Wert auf Technik gelegt. » Das sollte für mich die Grundlage sein. Die ersten beiden Semester waren wirklich hart. Da habe ich schon gezweifelt, ob ich das alles schaffen kann. Ich bin kein Mathematiker und auch kein angewandter Physiker, musste die Kurse trotzdem besuchen. Aber meine Kommilitonen saßen im selben Boot wie ich. Wir haben uns unterstützt, indem wir gemeinsam gelernt haben. Und ich dachte immer: Andere vor dir haben das auch geschafft «, sagt er und lacht. » Nach dem Grundstudium kommt dann der angenehme Teil des Studiums – so misst man schon mal im Sommer Solarmodule mit Blick über Leipzig. « Michael arbeitete auch in einer der Hochschulgruppen an der HTWK Leipzig mit, bei der Studierende selbst einen Roboter bauen und damit am internationalen Wettbewerb Eurobot teilnehmen.

Schlüsselerlebnisse waren für ihn aber Module in Medizintechnik und Projektmanagement: » Wir haben uns z. B. in der Uniklinik Leipzig die Technik im OP anschauen können. Toll fand ich auch, dass Manager uns in Seminaren von ihren Erfahrungen berichtet haben. Beides hat mich inspiriert. Roboter sind im Moment noch eher ein Spielzeug beziehungsweise werden hauptsächlich in der Industrietechnik eingesetzt. Ich würde sie gern in der Medizintechnik nutzen oder einen Roboter konstruieren, der uns den Alltag erleichtert «, träumt Michael.

Seinen ersten Job nach dem Studium fand Michael bei Vishay, einem der größten Hersteller von elektronischen Bauelementen. Im Produktmanagement hilft er den europäischen Kunden seines Arbeitgebers, innovative und bezahlbare Lösungen für die Elektronik von Morgen zu finden.

Mark: Steckbrief sagt Zukunft voraus

» Ich bin im Wald groß geworden, gehe jagen oder einfach nur spazieren. Es wurde Zeit für mich zu wissen, wo Holz eigentlich herkommt.« Heute studiert Mark Forstwissenschaften.

Nach Abitur, Wehrdienst und kurzer Auszeit in Schweden hat Mark, damals 20 Jahre alt, eine Ausbildung zum Tischler begonnen und 2012 als Innungsbester abgeschlossen. Sein Interesse am Rohstoff Holz war mittlerweile so groß, dass ihm das Wissen um dessen Verarbeitung nicht mehr ausreichte. » Außerdem wollte ich sowieso studieren, einfach, um es mal gemacht zu haben «, sagt Mark und lacht. » Bei Forstwissenschaften machst du wirklich alles, von biologischen Prozessen, Grundlagenchemie, Bodenkunde, Insekten- und Waldwachstumslehre, Mathematik, Statistik bis hin zu Inventur, Betriebsführung, Manage ment und Forstpolitik. «

Auf Dresden aufmerksam wurde Mark durch die Broschüre » Pack dein Studium «. » Das Interesse der Uni, junge Leute für ihre Studiengänge zu begeistern, hat mir imponiert. Naja und ich musste hier kein Vorpraktikum machen und auch keine Studiengebühren zahlen. Und nach 23 Jahren in meinem Heimatort Celle wollte ich irgendwohin, wo ich noch nie war und keinen kannte. Der Anblick der Elbpromenade hat mich dann auch gleich geflasht. « Auf die ist er an seinem ersten Tag eher aus Versehen gestoßen. Eigentlich wollte er zum Studentenwohnheim, hat sich aber mit seinem Motorrad völlig verfahren. » Ich war erstaunt, wie groß das alles ist. Also zumindest für mich, der da irgendwo aus der Heide kommt. «

Obwohl zur TU Dresden gehörend, wird die Fachrichtung Forstwissenschaft 20 Kilo meter außerhalb von der Landeshauptstadt gelehrt. » Tharandt ist ein kleiner Ort. Dennoch gibt es hier alles, was man braucht. Es ist sehr familiär und ich habe schnell Anschluss gefunden. Die Professoren können sehr ernst sein, sind aber auch Kumpel typen. Sie lassen dich niemals alleine. Und wir haben hier den Laufsteg für Forstmode. Der einzige Nachteil: Der Campus hat keine Kneipe. Dafür schätze ich die Nähe zur Dresdner Neustadt sehr, denn als Förster sollte man definitiv feiern können. «

Neben seinem Studium ist Mark im Fachschaftsrat aktiv und engagiert sich für alles, was irgendwie mit Wald zu tun hat. Im Heinrich Cotta Club, der nach dem Gründervater der Außenstelle Tharandt benannt ist, organisieren die Studenten grüne Bälle, Themenabende mit Professoren, Sportveranstaltungen, Campusfeste und Clubabende. Ein größeres Projekt sind die » Tharandter Gespräche «, ein Kongress, zu dem Forststudenten aus ganz Deutschland kommen, um sich in Seminaren, Workshops und Exkursionen auszutauschen. Durch die Gremienarbeit muss er jetzt ein Jahr länger studieren. » Aber das ist mein Weg. Ich kann nur jedem empfehlen, einfach das zu machen, was man machen will und sich davon nicht abbrin gen zu lassen. «

Jenny: Den Ton angeben

» Lehrer zu werden, das sollte eine bewusste Entscheidung sein.« Jenny lernt mit elf Jahren Klavier spielen und wird nun Musiklehrerin.

» Als ich das erste Mal vor dem eisernen, reich verzierten Tor in der Grassistraße stand, war ich ganz ehrfürchtig. Und dann diese Steingebäude und Säulen … «, Jenny denkt gern an die Anfänge ihres Studiums an der Hochschule für Musik und Theater Leipzig (HMT) vor sechs Jahren zurück: » Ich war berauscht von all den Möglichkeiten, die einem diese Kunsthochschule bietet – angefangen von den vielen Studienrichtungen, den Fachschaftsräten bis hin zur Chance, einfach nur Theater zu spielen. Die Leute waren alle so aufgeschlossen und innerhalb von kürzester Zeit hatte man Freundschaften fürs Leben geschlossen. Das war schon eine spannende Zeit «, schwärmt die 26-Jährige. Mittlerweile ist Jenny im 4. Mastersemester und gehört zu den Erfahreneren, die genau wissen, wie besonders die HMT ist: » Die Hochschule hat eine lange Tradition und ist international bekannt, da sie die älteste ihrer Art in Deutschland ist. Deswegen wollte ich auch unbedingt hierher. «

Ihre Erwartungen haben sich weitestgehend erfüllt. Schon vorher wusste Jenny, dass die HMT vor allem eine künstlerische Ausprägung mit vielen verschiedenen Disziplinen anbietet und dass Einzelunterricht gang und gäbe ist. » Wir haben Dozenten, die mit ihrer Art eine Vorlesung zu halten, eine neue Welt öffnen. Das finde ich toll. Nur das mit den Pädagogikseminaren habe ich mir anders vorgestellt. Bei aller Theorie habe ich doch das meiste in den Praktika gelernt. « Am besten gefällt Jenny, dass sie während ihres Studiums künstlerisch aktiv sein kann. In Opernprojekten werden mit Sängern und einem Orchester professionell Opern inszeniert. Auf Hauskonzerten können sich die Studierenden Bestätigung holen – oder kassieren auch mal negatives Feedback.

» Es gibt manchmal schon Momente, in denen ich an meiner Berufswahl zweifele. Zum Beispiel im Schulpraktikum, wenn mal etwas schiefläuft. Dann frage ich mich schon, ob Lehrer der geeignete Beruf ist. Ich tausche mich dann gern mit Gleichgesinnten aus, denn ehrlich: Jeder kämpft mit denselben Problemen. Aber ich finde meine Motivation immer wieder am Klavier. Einfach eine Stunde spielen und ich bin wieder beruhigt. « Ihren Ausgleich zum Studi um holt sich Jenny beim Laufen, Tanzen oder Yoga.

Neben der Hochschule schätzt Jenny auch ihre Wahlheimat Leipzig. Ihre Lieblingsplätze sind der Auenwald und die alte Baumwollspinnerei, die Anfang der 19«90er Jahre zum künstlerischen Szeneviertel avanciert ist, gleichzeitig aber immer noch die Geschichte der Industrialisierung erzählt. » Und ich mag die Leute hier. Die sind so freundlich. «

Nadja: Brücken schlagen

Nadja, Diplom-Geoökologin, schwört auf interdisziplinäre Studiengänge. Noch so ein Wort, mit dem sich Abiturienten auseinandersetzen müssen. Interdisziplinäre Studiengänge sind all jene, die verschiedene Wissenschaftsdisziplinen beinhalten. Dabei geht es darum, „Global Player“ auszubilden, die sich neben Expertenwissen auch in anderen Fachrichtungen auskennen. „Brücken schlagen“ ist das Motto. Nadja ist diesem bereits 1996 gefolgt, als sie sich in Freiberg für Geoökologie einschrieb: „Ich habe mich schon immer für Geologie und Biologie interessiert und mir auch beide Studiengänge angesehen. Geoökologie, eine Mischung aus beiden Fachrichtungen, wurde damals gerade gegründet. Freiberg war zu dem Zeitpunkt eine der wenigen Unis in Deutschland, die das anbot. Im Hauptstudium belegte ich vier Vertiefungen: Mikrobiologie, Umweltanalytik, Geotechnik, also Bergbau, und Hydrogeologie.“

Während ihres Studiums hat Nadja in einer Naturschutzstation gearbeitet und Schüler in den Ferien betreut. Später hat sie bei der Landestalsperrenverwaltung geholfen, Wasserproben zu analysieren. Durch das interdisziplinäre Angebot ihres Studiums hat sie ihre Diplomarbeit in der Mikrobiologie schreiben können. Das und die speziell an der Uni gelernte Fluoreszenzmikroskopie haben ihr zu ihrem ersten Job verholfen: „Ich habe mich an der Dresdner Uniklinik beworben, wo jemand für ein Forschungsprojekt in der Reproduktionsmedizin gesucht wurde. Ich habe auch Vorträge gehalten, an eigenen Veröffentlichungen gearbeitet und bin viel rumgekommen.“ Das Berufsfeld solcher Studiengänge ist vielfältig. Nadjas Kommilitonen arbeiten z.B. in Ingenieurbüros, Umweltämtern, Umweltredaktionen sowie in der Entsorgung, Abfallwirtschaft, Wasserwirtschaft, Hygiene oder Öffentlichkeitsarbeit gefunden. „Man steht in all diesen Disziplinen aber in Konkurrenz mit den Fachstudenten. Daher ist eine Spezialisierung irgendwann schon notwendig. Aber man ist vom Wissen her breiter aufgestellt und kann Brücken schlagen."

Bei ihrem jetzigen Job im Schülerlabor DeltaX des Helmholtz-Zentrums Dresden-Rossendorf (HZDR) kommt ihr die Vielfalt der Ausbildung zu Gute. „Ich habe während meines Studiums festgestellt, dass ich gern mit Jugendlichen arbeite. Als 2012 ein Mitarbeiter für das Schülerlabor gesucht wurde, habe ich mich beworben und den Job bekommen.“ Das HZDR ist mit etwa 1.100 Mitarbeitern das größte außeruniversitäre Forschungsinstitut in Sachsen. „Ins Schülerlabor kommen im Jahr aktuell 2.500 Schüler. Wir wollen das Interesse an Physik und den Naturwissenschaften wecken und zeigen, was man als Wissenschaftler, Techniker oder sonst so im MINT-Bereich machen kann. Mit meiner jetzigen Arbeitsstelle bin ich sehr glücklich.“

Sebastian: Kenner & Könner von Javascript, HTML & Co

Sebastian ist in Chemnitz geboren und sieht gar keinen Grund wegzugehen. Seit sechs Semestern studiert er an der Technischen Universität Angewandte Informatik. Informatik ist seine Leidenschaft, die er auch gern teilt.

Warum gerade Informatik?
Ja, ich war schon in der Schule gut in Informatik und habe mich zum Abitur nur noch gelangweilt. Da war es ziemlich schnell klar, dass ich Informatik studieren möchte. Bei der Auswahl haben mir der Tag der offenen Tür und das Uniranking geholfen. Die Uni hatte sehr gute Bewertungen, also warum weggehen?!

Was zeichnet die Technische Universität Chemnitz aus?
Eine super Betreuung. Die Hochschullehrer sind locker und nett, und man kommt schnell ins Gespräch. Auch der Kontakt zu anderen Studenten, selbst aus höheren Semestern ist total unkompliziert und familiär. Insgesamt herrscht hier eine gute Atmosphäre. Letztes Semester haben wir z.B. im Team ein Spiel programmiert. Aber auch neben dem Studium gibt es viele Möglichkeiten sich auszuprobieren. Ich war schon als Hilfskraft an der Uni tätig und gehöre jetzt zum Team des „Futuretruck“ der TU Chemnitz. Das ist ein mit verschiedenen Exponaten (z.B. 2- und 4-Takt-Verbrennungsmotoren oder Flaschenzug) ausgestatteter LKW, mit dem wir regelmäßig durch Sachsen und andere Bundesländer fahren, um Schülern anhand von interaktiven Experimenten Naturwissenschaften und Informatik näher zu bringen. Beim Robo-Experiment z.B. bastelt man sich am Rechner ein Programm zusammen, kompiliert es (übersetzt es in Maschinensprache) und überträgt es auf den Roboter. Und der reagiert dann hoffentlich in der gewünschten Form. Es gefällt mir sehr, dass ich Schülern etwas beibringen und sie für Informatik begeistern kann. Seit ein paar Jahren engagiere ich mich auch bei den Chemnitzer Linux-Tagen. Das ist eine ziemlich große Veranstaltung rund um das Linux-Betriebssystem und freie Software, die von Studenten, Absolventen und Mitarbeitern der TU Chemnitz ehrenamtlich organisiert wird. Das macht mir viel Spaß, weil ich neben dem Orga-Aufwand auch Einiges über spannende Themen und neue Entwicklungen erfahren kann.

Was magst du an Chemnitz?
Chemnitz ist meine Heimatstadt, meine Freunde und meine Familie sind hier, das Erzgebirge liegt vor der Tür. Wenn man eher der ruhige Typ ist und wie ich das Fahrradfahren in schöner Landschaft liebt, dann ist Chemnitz genau die richtige Wahl.

Was empfiehlst du Studienanfängern?
Hört in Euch selbst hinein. Lasst euch nicht in eine Schublade pressen, lauft nicht einfach mit, sondern schaut, was ihr wirklich könnt, wo Eure Stärken liegen und was Euch Spaß macht. Und kommt nach Chemnitz, es lohnt sich!

Peter: "Und du willst wirklich Lehrer werden?"

Sein Berufswunsch wurde immer mit einem „Oh Gott!“ kommentiert. Dennoch hielt Peter daran fest und jongliert seit einem Jahr mit Zahlen. Der 20-Jährige studiert Lehramt an Gymnasien für die Fächer Mathematik und Informatik.

Traumberuf Lehrer: Jetzt mal ehrlich. Gab es da nicht auch mal etwas anderes? Feuerwehrmann zum Beispiel?
Nein, ich wollte wirklich Lehrer werden. Als ich auf der Realschule war, hatte ich mal Streetworker im Sinn. Aber dann konnte ich aufs Gymnasium wechseln und mein Wunsch wurde wieder real.

Warum gerade Mathematik und Informatik?
Ich habe mir überlegt, was ich wirklich unterrichten könnte. Mathe konnte ich schon immer gut, mit Computern kannte ich mich aus. Ich habe mit meinen Lehrern gesprochen, ob die mich dafür geeignet hielten. Auf die Studieninhalte habe ich mich einfach eingelassen.

Du studierst an der Universität Leipzig. Kamen für dich auch andere Unis in Frage?
Nicht wirklich. Ich mochte die Uni von Anfang an. Sie ist sehr modern, unterstützt, wo sie kann, informiert und berät in verschiedenen Lebenslagen und verfügt über ein immenses Freizeitangebot, zum Beispiel Radio Mephisto, bei dem man mitmachen kann. Das fühlt sich gar nicht mehr wie studieren an, sondern eher sehr familiär.

Was macht Leipzig als Unistadt für dich aus?
Leipzig ist toll. Die Stadt ist kulturell so vielfältig, weil auch viele von außerhalb kommen. Es gibt viele Seen und Wald, was man von einer Stadt nicht unbedingt erwartet. Mein Lieblingssee ist der Cospudener See im Süden Leipzigs.

Erinnerst du dich an deine ersten Tage an der Uni?
Ja, das ist ja nicht so lange her. Und ich hatte tolle erste Eindrücke. Die Uni hat große neue Gebäude, die Lehre wird unterstützt, indem zum Beispiel Lizenzen für Arbeitsprogramme gestellt werden. Aber ich war auch erschlagen von den ganzen neuen Sachen - allein die Studienordnungen…

Vor welchen Herausforderungen hast du noch gestanden?
Jede Mathevorlesung ist eine Herausforderung. Das Niveau ist sehr hoch, aber mir waren die Anforderungen bewusst. Ich wollte mich daher erst einfinden und dann meine Leistungen verbessern. Ich glaube diejenigen, die immer nur Einsen wie in der Schule schreiben wollten, haben eher Rückschläge erfahren als ich.

Was ist dein Antrieb?
Ich bin ehrenamtlich bei der Wasserwacht als Rettungsschwimmer. Bei unseren Tauchsymposien gibt es am Ende des Tages immer einen Biologen, der über Meeresbiologie erzählt. Er macht das so unterhaltsam, dass ich ihm trotz sechs anderer Vorträge immer noch zuhöre. So will ich auch mal Wissen vermitteln können.

Frederic: Mit Dolmetscherin im Hörsaal

Seit seiner Geburt ist Frederic gehörlos. Seine Leidenschaft sind Getriebe. An der Westsächsischen Hochschule Zwickau kann er beides vereinen und studiert Maschinenbau.

Da schlagen Pfannen aneinander, dort zischt es in Töpfen, drüben auf dem Herd brutzeln Schnitzel, und zwischendrin geht immer wieder die Klingel aus dem Servicebereich. Wie hektisch es in einer Küche zugehen kann, weiß Frederic auch ohne, dass er die Geräusche auseinanderhalten könnte. Und dass das Gewimmel im Herzen eines Restaurants doch nichts für ihn ist, das weiß er mittlerweile auch. Ein Praktikum hat ihn vom einstigen Wunschberuf Koch abgebracht und damit den Grundstein für sein Studium an der Westsächsischen Hochschule Zwickau gelegt.

Inzwischen sind es Getriebe, die ihn in ihren Bann ziehen. „Ich mag es, Dinge im Kopf zusammenzusetzen, Probleme zu lösen und neue Ideen zu konstruieren“, erklärt der angehende Maschinenbauingenieur seine Leidenschaft. Wie sich Getriebe bewegen und wie ihre Räder ineinandergreifen, das fasziniert ihn. Weil es dabei auf Kleinigkeit ankommt, weil Präzision gefragt ist und weil es keine Rolle spielt, ob und wie sie sich dabei anhören. Wie Normalhörende ihren Alltag wahrnehmen, kann Frederic nämlich nur ahnen. Von Geburt an ist der 22-Jährige gehörlos. Lautlos ist seine Welt dennoch nicht. Schon als Kleinkind bekam er ein sogenanntes Cochlea-Implantat.

Damit kann er Geräusche wahrnehmen und sogar einzelne Gespräche verfolgen. Sprechen allerdings mehrere Menschen durcheinander oder nehmen Nebengeräusche wie damals in der Praktikumsküche überhand, wird es schwer für ihn. In Lehrveranstaltungen stehen ihm deshalb zusätzlich Gebärdensprachdolmetscher zur Seite. Und zusätzlich zur Liebe zu den Getrieben ist es nicht zuletzt auch ein Verdienst dieser Dolmetscher, dass sich Frederic für ein Studium in Zwickau entschieden hat.

Nach dem Abitur schaute er sich verschiedene Studienmöglichkeiten an. Dabei weckte die Hochschule im westlichen Zipfel von Sachsen sein Interesse. Er fuhr nach Zwickau, um ein paar Tage auf dem Campus zu schnuppern. „Ich war überrascht, wie bei der Besichtigung damals Übersetzer für mich organisiert wurden und habe mich von Anfang an wohlgefühlt“, erzählt er. „Die Hochschule ist modern, praxisbezogen und für alle Probleme gibt es Ansprechpartner.“ Als er noch erfuhr, dass die Westsächsische Hochschule Zwickau selbst den Studiengang Gebärdensprachdolmetschen anbietet, waren für den gebürtigen Niedersachsen die letzten Zweifel ausgeräumt. „Hier hatte ich das Gefühl, dass man mich unterstützen würde wie in einer Familie. Bei anderen Hochschulen, die ich mir angesehen hatte, war das nicht der Fall.“

Heute erinnert in Frederics Alltag nichts mehr an den einstigen Wunschberuf. In der Küche steht er nur noch als Hobbykoch. Er studiert im ersten Semester Maschinenbau und würde sich immer wieder dafür entscheiden. Auch wenn ihn sein Hochschulalltag mehr Konzentration kostet als so manchem Normalhörenden. Um den Inhalt von Lehrveranstaltungen zu verstehen, muss er stets ganz genau aufpassen. „Hörende Studenten können sofort aufschreiben, was der Dozent erklärt. Ich muss mich immer auf die Dolmetscher konzentrieren“, erklärt er die Unterschiede. Eine kurze Unaufmerksamkeit könnte ihn aus dem Konzept bringen. Auch in größeren Gruppen Lehrinhalte nachzuarbeiten oder sich gar in Lerngruppen auf Prüfungen vorzubereiten, ist für ihn unpraktisch, weil die Kommunikation schwierig ist.

Dass die Hochschule in manchen Hörsälen über Anlagen verfügt, an die Hörgeräte angeschlossen werden können, ist ihm zusätzlich eine Hilfe. Noch wichtiger aber ist Zeit. Die braucht er mehr als andere, um sich in Texte einarbeiten zu können. Um die Nachteile auszugleichen, die ihm durch seine Hörbeeinträchtigung entstehen, bekommt er eine Zeitverlängerung für Hausarbeiten. Und bei Prüfungen steht ihm ein Gebärdensprachdolmetscher zur Seite – der schon mal für Überraschungen sorgen kann.

„Ein Student dachte einmal, dass die Übersetzer selbst Studenten sind und quasi Übungen machen. Und er dachte, ich wäre der Prüfer“, erzählt Frederic eine Anekdote aus seinem Hochschulalltag. Solche Reaktionen lassen ihn schmunzeln. Überhaupt, sagt er, seien die Reaktionen auf seine Beeinträchtigungen unterschiedlich, aber immer positiv. „Viele sind neugierig, andere zurückhaltend, aber alle respektieren, dass ich hier studiere. Und manche Dozenten können sich auch in meine Situation hineinversetzen, wenn sie wegen ihres Alters selbst Hörgeräte tragen.“

Probleme im Hochschulalltag habe er keine, sagt er. „Die Professoren wissen, was sie tun müssen und unterstützen mich.“ Mit diesen Voraussetzungen ist er im Studium gut aufgehoben. Dass es technisch bleiben soll, das wünscht er sich. Und dass andere Gehörlose ebenfalls den Mut haben, sich für ein Studium zu entscheiden. Seinen Weg zu gehen und sich ausprobieren, das ist sein Motto. Das hat sich bewährt. So wie damals in der Küche.

Marie: Ich liebe die Reaktion des Publikums

Schon im Kinderchor schulte sie ihre Stimme. Mit 21 feierte sie singend ihr Operndebüt. Der Vorhang öffnet sich, die Musik ertönt und eine wunderbare Stimme schallt über die Saloppe, dem kleinen Freilufttheater direkt an der Elbe in Dresden. Das Stück ist eine Produktion der Serkowitzer Volksoper, bei der die Musikstudentin Marie eine entscheidende Rolle spielt oder besser – singt.

» Ich liebe die Reaktion des Publikums, vor allem zu merken, dass den Menschen eine Begeisterungsfähigkeit innewohnt, die ich mit meinem Gesang wecken kann «, antwortet die 24-jährige Sopranistin auf die Frage, warum sie Operngesang studiert. 2012 feierte sie ihr Operndebüt als Barbarina in der Hochschulinszenierung von Mozarts » Le nozze di Figaro « in Dresden. 2015 konnte sie im Rahmen der Bachwoche in Stuttgart unter Leitung von Hans- Christoph Rademann in einigen Konzerten als Solistin mitwirken. Das alles meistert sie, obwohl sie erst im zweiten Semester Gesang/Oper an der Hochschule für Musik Carl Maria von Weber in Dresden studiert. Doch bevor es auf die Bühne geht, stehen unter anderem Klavierspielen, dramaturgischer Unterricht, Musiktheorie, Bühnentanz und immer wieder Ge sang, Gesang und Gesang auf dem Studienplan. Neben der umfassenden Ausbildung an der Hochschule sind es gerade diese kleinen Produktionen, die den Studenten zeigen, wie später das Berufsleben aussehen wird.

Das Besondere an der Hochschule für Musik Carl Maria von Weber ist, dass bereits während des Studiums Produktionen inszeniert werden. Dafür pflegt die Hochschule eine Kooperation mit dem Staatsschauspiel Dresden. Diese ist einmalig in Deutschland und bietet den Studenten eine Spielstätte, in der sie ihre Inszenierungen regelmäßig einem breiten Publikum präsentieren können.

Marie schult ihre Stimme schon sehr lange – erst im Kinderchor und später beim Gesangsunterricht. Sie hat an der Musikhochschule Dresden ihr Diplom im Fach Gesang absolviert, bevor sie ihr Masterstudium in der Opernklasse begann. Um zu diesem Studiengang zugelassen zu werden, musste sie eine Aufnahmeprüfung in Musiktheorie, Stimm- und Gehörbildung absolvieren und natürlich vorsingen. » Das ist eine sehr aufregende Situation, aber später muss man sich schließlich auch einem kritischen Publikum stellen «, sagt Marie. Die Studienentscheidung hängt ihrer Meinung nach sehr davon ab, wie man später leben möchte. Marie hat vor, als freie Opernsängerin zu arbeiten. Nicht nur beruflich, sondern auch privat genießt Marie Dresden sehr: » Super ist die Kultur-und Kunstatmosphäre in der Stadt. Der Fluss ist wunderschön und ich gehe gern im Prießnitzgrund spazieren. «

Marie begeistert die Menschen mit ihrer Stimme, an der Hochschule lernt sie dafür das Handwerkszeug. Das erkennt auch das Publikum in der Saloppe an und spendet an diesem Abend viel und lange Beifall.

Lennert: Über Umwege zum Studium

Wenn der Weg über Schule und Abitur zur Hochschule ein gerader Weg ist, dann ist Lennert Berkhan Umwege gegangen. Dann hat er Schleichwege genommen, Berge erklommen und Zwischenhalte eingelegt. Ans Ziel gekommen ist der dennoch. Er hat studiert, ohne einen seiner Umwege zu bereuen. Das Bachelorzeugnis für Wirtschaftsinformatik ist in seiner Tasche, der Masterabschluss wird bald folgen.

Dass Noten die Studienwahl einmal entscheiden würden, das war ihm genauso klar, wie allen Schülern der neunten Klasse. Lennert schraubte trotzdem lieber an alten Rechnern, als in die Schulbücher zu schauen. Die Quittung kam mit dem Zeugnis. Mit miesen Noten ins Berufsleben zu starten, das war selbst dem PC-Spieler von damals nichts. Also wiederholte er die neunte Klasse, freiwillig.

Besser benotet schrieb sich die Bewerbung zum Fachinformatiker für Anwendungsentwicklung schon
leichter. Dass er sich verbessern kann, wenn er will, hat den zukünftigen Chef überzeugt. Und so tauschte Lennert das niedersächsische 2000-Seelen-Dorf, in dem er aufgewachsen ist, gegen Hannover ein, lernte drei Jahre erfolgreich den Beruf und sollte als Informatiker übernommen werden. Ziel erreicht, könnte man meinen. Doch Lennert schüttelt mit dem Kopf. » Vorher stand das nie auf meiner Liste, aber jetzt wollte ich studieren «.

Für das Gespräch hat Lennert einen Besprechungsraum bei SAP gebucht. Seit mehr als drei Jahren arbeitet er nun schon bei dem bekannten Softwarehersteller. Gerade hat der 25-Jährige sein Masterstudium für Angewandte Informatik an der HTW Dresden begonnen. Wer wie er ein Studium sucht, in dem Theorie und Praxis eng miteinander verknüpft sind, ist hier genau richtig. 4.800 Studierende sind in 38 Studiengänge eingeschrieben. 40 sind es im Masterstudiengang „Angewandte Informatik“, verteilt auf vier Fachbereiche. » Data Science « heißt seine Fachrichtung. Der Stoff ist anspruchsvoll, die Betreuung intensiv. Mit fünf Kommilitonen sitzt er in den Vorlesungen. 12 bis 13 Lehrveranstaltungen besucht er pro Woche. Zusätzlich ist er für 20 Wochenstunden bei SAP angestellt. Nebenher fürs Studium lernen, das geht nicht ohne Wochenende. » Mein Pensum ist krass «, sagt Lennert selbst. Aber für die Möglichkeiten, die ihm sein Arbeitgeber bietet, nimmt er das gerne in Kauf.

Im Gespräch fällt die Ruhe auf, die Lennert ausstrahlt. Alles an ihm wirkt überlegt. Eine Stärke, mit der er seinen ganz persönlichen Weg zum Studium gemeistert hat. Die Idee, dem frisch ausgebildeten Informatiker nach der Lehre neben seiner Stelle ein Studium zu ermöglichen, hat sein Ausbildungsbetrieb damals nicht unterstützt. Davon abbringen ließ Lennert sich dennoch nicht. Er machte sich als Informatiker selbstständig, überbrückte damit ein Jahr und meldete sich in der Fachoberschule an. Mit dem Fach-Abitur in der Tasche, sprach er beim Softwareentwickler SAP vor – und bekam den Job. Und das Studium, von dem er nicht lassen wollte? Das verband er mit dem Beruf. Mit der Berufsakademie, kurz BA genannt, als akademischen Partner war das möglich.

Für das duale Studium zog Lennert nach Dresden. Mit der SAP-Zweigstelle und der Berufsakademie hatte er alles vor Ort. Die Teilung in Theorie- und Praxisphasen empfand er als großen Pluspunkt des BA-Studiums. Stoff, den er in den Lehrveranstaltungen erarbeitet hatte, direkt in den Studienarbeiten bei SAP anwenden zu können – für ihn perfekt. In mehrere Abteilungen bei SAP konnte Lennert so schnuppern, sogar im Ausland. Für 2,5 Monate arbeitete er bei SAP im kanadischen Montreal. Mittlerweile hat er das Bachelorstudium erfolgreich abgeschlossen. Der Master-Abschluss ist die nächste Station. Ob er auch das Ziel seines Wegs ist? Lennert überlegt. » Dr. Berkhan klingt eigentlich auch nicht schlecht, oder? «

Gina: Einmal Wirtschaft mit Sprachen, bitte!

Auf dem Weg zum Abitur entdeckte Gina ihre Liebe zu slawischen Sprachen, machte ihrem ursprünglichen Lebensplan einen Strich durch die Rechnung und studiert nun in Görlitz einen einzigartigen Studiengang.

Wirtschaft und Sprachen, beim ersten Hören klingt das, als wäre da eine Studienkombination durcheinandergeraten. Relativ wenig scheinen beide Fächer miteinander gemeinsam zu haben. In Gina Seltmanns Ohren hört sich diese besondere Studienmöglichkeit dagegen nach einer Ergänzung an, nach der sie lange gesucht hat. An der Hochschule Zittau Görlitz hat sie sie gefunden. Hier kann man eine slawische Sprache kombiniert mit Wirtschaft studieren. Einen solchen Studiengang findet man nur zwei Mal in Deutschland.

Im sächsischen Meißen ist Gina aufgewachsen und zur Schule gegangen. Und obwohl die beiden Nachbarländer Tschechien und Polen im Prinzip nur einen Steinwurf weit entfernt sind, war es der Russischunterricht am Gymnasium, der Ginas Liebe zu den slawischen Sprachen geweckt und ihre ursprünglichen Pläne auf den Kopf gestellt hat. „Eigentlich wollte ich Rechtspflege studieren“, erinnert sich Gina.

Gefunden hat sie den einzigartigen Studiengang in Görlitz schließlich auf der Homepage der Hochschule, „durch simples Googlen“, wie sie erzählt. Wenig später schrieb sich Gina für die Kombination Tschechisch-Englisch-Deutsch und Wirtschaft ein. Das alles liegt längst zurück. Genauso wie der klassische Sprachunterricht in den ersten Semestern. Der gehört zu den Grundlagen des Studiums, egal ob man sich für Tschechisch oder Polnisch eingeschrieben hat. Vorkenntnisse in der jeweiligen Sprache sind dabei nicht nötig, vermittelt wird die Sprache von der Pike auf. Muttersprachler unterrichten die Studierenden. Anders dagegen ist Englisch. Das Sprachniveau B2 ist für die Einschreibung Pflicht.

Zu den Sprachmodulen in Tschechisch oder Polnisch kommen in den ersten drei Semestern Unterrichtseinheiten zu wirtschaftlichen Grundlagen. „Sie reichen von BWL und VWL über Marketing bis hin zu Recht“, erzählt Gina. Wen das wirtschaftliche Feld mehr reizt, der kann durch die Wahl spezieller Module seine Wirtschaftskompetenz weiter ausbauen oder sich wie Gina im sprachlichen Bereich profilieren und auf Dolmetschen und Übersetzen setzen.

Um die Praxis geht es dann im letzten Drittel des Studiums. Auf acht Semester ist der Studiengang ausgelegt, am Ende steht die Bachelorarbeit. Die hat Gina noch vor sich, ebenso wie die Prüfungen. Zuvor lockte erst einmal das Auslandspraktikum. Gina führte es für sechs Monate in die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit des Goethe-Institutes in Prag. Die drei Jahre Sprachunterricht seien ihr dabei eine große Hilfe gewesen, um in der tschechischen Landeshauptstadt zurechtzukommen, erzählt sie. Im Team aus tschechischen Muttersprachlern waren vor allem die Übersetzungen ins Deutsche ihre Aufgabe und natürlich das Erkunden des Umlandes. „Durch Ausflüge in kleinere Städte des Landes habe ich gemerkt, dass dort Tschechischkenntnisse essentiell sind, weil kaum Englisch gesprochen wird.

Zurück in Görlitz steht für Gina nun der Studienabschluss an. Wie es mit dem Zeugnis in der Tasche weitergehen wird, lässt sie auf sich zukommen. Ein paar Praktika stünden für sie noch auf dem Plan, zum Abwägen, wo es sie hinführen wird. Ihre Sprachkenntnisse öffnen ihr in vielen Firmen Türen, ihr wirtschaftliches Wissen erst recht. Aber auch als klassische Dolmetscherin könnte sie später arbeiten. Doch bis dahin ist noch ein Sommer Zeit. Und den möchte Gina auch nutzen, um Görlitz zu genießen. Die Stadt, um die sich internationale Filmproduzenten als Kulisse für Historienstreifen reißen, ist für sie längst zur zweiten Heimat geworden. „Es wohnt sich hier einfach gut“, sagt Gina und meint das nicht nur mit Blick auf die günstigen Mieten. Gerade einmal 300 Euro kostet sie die kleine Einraumwohnung in der Innenstadt. Auch die Lage der Stadt ist perfekt für Ausflüge. Tschechien und Polen liegen quasi vor der Haustür. Dresden ist einer guten Stunde, Berlin in drei Stunden erreichbar. Nur 10 km muss man dagegen bis zum Berzdorfer See radeln. Dort verbringt Gina im Sommer am liebsten ihre Zeit.

Jennifer und Erik: Straftätern auf der Spur

Fingerabdrücke im Internet aufspüren? Für die angehenden IT-Experten Erik und Jennifer ist das eine ihrer leichtesten Übungen. Polizei, Kriminalamt und Gerichte brauchen sie, um Straftaten aufzudecken.

Was fasziniert Euch an der Forensik?
Jennifer: Forensiker untersuchen Kriminalfälle systematisch. Gerade die Kombination aus den verschiedenen Themenkomplexen der Informatik, Kriminologie und Kriminalistik zusammen mit den biologischen Grundlagen macht für mich den Reiz aus.
Erik: Ich war auf der Suche nach einem Studiengang, der Zukunft hat und mir ein spannendes Berufsfeld eröffnet. So bin ich auf Forensik an der Hochschule Mittweida gestoßen. Am meisten interessiert mich der digitale Bereich. Gerade jetzt, wo die Digitalisierung eine immer größere Rolle spielt, bin ich einfach nur erstaunt, was wir alles lernen und was alles möglich ist.

Wie ist der Studiengang aufgebaut?
Erik: Wir bekommen einen Einblick in viele IT-Bereiche. Das reicht von der grundlegenden Java-Programmierung über Systemadministration oder Data-Mining bis hin zur praktischen Rekonstruktion von Festplatten mit Hilfe eines Programmes. Zu Beginn des Studiums hatten wir Unterricht im Bereich der allgemeinen Forensik. Jetzt im 4. Semester geht alles mehr und mehr in die IT-Richtung, was ich auch gut so finde.
Jennifer: Genau, zuerst stand das Grundlagenstudium mit Modulen wie Mathematik, Programmierung, Biologie und Physik auf dem Plan. In den höheren Semestern wurden die Module dann immer spezieller und richteten sich mehr in die Art der Arbeit aus, die uns beispielsweise bei der Polizei erwarten würde. Man bekommt in den Modulen immer einen theoretischen Einblick, der im Praktikum dann vertieft und angewendet wird.

Brauchtet Ihr spezielle Vorkenntnisse und wie habt Ihr Euch auf das Studium vorbereitet?
Jennifer: Theoretisch sind kaum Vorkenntnisse nötig, wir lernen ja so gut wie alles in Mathematik, Physik und Informatik von Grund auf. Allerdings werden die Themen schnell komplexer. Deshalb bietet die Hochschule vor dem ersten Semester Vorkurse an, die die nötigen Kenntnisse vermitteln. Diese habe ich allerdings nicht besucht, da ich in Informatik Abitur gemacht habe. Für Mathe und Physik haben wir uns dann während des Semesters in Lerngruppen zusammen gefunden, um uns gegenseitig zu helfen.
Erik: Wer an ein Forensik-Studium denkt, sollte einen PC bedienen können. Der Rest wird einem beigebracht.

Welche Herausforderungen im Studium gab es oder gibt es?
Erik: Ich muss gestehen, das Studium fällt mir nicht immer so leicht wie ich es mir wünschen würde, aber mit etwas Mühe und viel Lernen ist das zu schaffen. Ich habe bisher alles überstanden. Meine größte Herausforderung ist und war die Mathematik.
Jennifer: So geht es den meisten aus unserem Jahrgang, Mathe im ersten Semester und Physik im zweiten Semester ist für viele eine Hürde. Aber mit viel Fleiß und Hilfe untereinander ist das Pensum machbar. Man muss sich eben etwas reinhängen, aber das ist ja bei den meisten MINT Studiengängen so.

Forensik als Studiengang bieten deutschlandweit nur vier Hochschulen an, warum habt Ihr Euch für Mittweida entschieden?
Jennifer: Für mich war die Kombination „Allgemeine und Digitale Forensik“ ausschlaggebend. Und die gibt es tatsächlich nur in Mittweida. Außerdem liegt Mittweida nur 1,5 Stunden Fahrtzeit von meiner Heimatstadt Hof entfernt. Perfekt, um meine Freundschaften zu Hause weiter zu pflegen.
Erik: Durch meine Nachbarin zuhause in Thüringen und eine Mitbewohnerin bin ich auf Mittweida gestoßen und dann auf den Studiengang Forensik. Andere Hochschulen wären für mich nur in Frage gekommen, hätte ich was anderes studiert.

Mittweida als Stadt …
Erik: … ist recht klein. Alles ist sehr nah zusammen und schnell zu erreichen. Es fühlt sich familiär an hier. Zum Studieren ist Mittweida völlig ausreichend, vielleicht sogar besser als andere Städte. Wer möchte, kann auch hier rund um die Uhr feiern und wilde Partys haben oder die Seele im Park baumeln lassen. Und wer in Shopping-Laune ist, erreicht Chemnitz mit dem Zug in 20 Minuten.
Jennifer: …gefällt mir sehr, weil es hier wenig anonym ist. Man trifft Dozenten und Professoren beim Einkaufen oder bei einem Bier im Studentenclub – das gibt es in Dresden oder Leipzig wohl eher nicht und zeigt auch das familiäre Verhältnis an der Hochschule selbst. Wir sind im Sommer viel draußen, verbringen die Zeit mit Freunden im Park oder an der Torfgrube. Und für Musikliebhaber egal welcher Richtung werden regelmäßig Konzerte von den Studenten organisiert.

Und danach? Habt Ihr schon Pläne nach dem Abschluss?
Erik: Ich bin mir noch nicht sicher, ob ich einen Master machen möchte, aber wenn, dann am liebsten in Mittweida.
Jennifer: Ich wäge gerade zwischen mehreren Möglichkeiten ab. Ich könnte mich beim Bundes- oder einem Landeskriminalamt bewerben oder überlege, einen Master in Forensik oder Kriminologie zu machen.

Florian studiert die Zukunft

Klassischen Maschinenbau mit der digitalen Technik von morgen zu verbinden, das Wissen von Beginn an praktisch anzuwenden und dabei schon Geld verdienen – im Studiengang Digital Engineering an der Staatlichen Studienakademie Glauchau hat der 20jährige Florian eine zukunftsweisende Kombination gefunden.

Roboter, die uns die Arbeit abnehmen oder selbstfahrende Autos klingen für viele immer noch nach Zukunftsmusik. Für dich auch?
Klar ist, dass wir lernen müssen, klassisches Wissen neu zu kombinieren. Darum geht es in meinem Studium. Durch die steigende Digitalisierung von nahezu allem wird man um Informatikwissen nicht mehr drum herumkommen. Diese Zukunftsorientierung reizt mich an der Verbindung eines Ingenieurstudiengangs mit der Informatik. Bestes Beispiel sind Autos. Wissenschaftler und Techniker arbeiten daran, dass selbstfahrende Autos bald auch auf öffentlichen Straßen unterwegs sein werden. Um so etwas realisieren zu können, benötigt es viel informatisches Wissen. Trotzdem hat ein Auto immer noch vier Räder. Damit will ich sagen, dass man in Zukunft bei steigendem Bedarf an Informatikern immer noch den Maschinenbauer benötigt. Digital Engineering vereint diese beiden Felder.

Das klingt ganz schön anspruchsvoll.
Umfangreich ist dieser Studiengang ohne Frage. Die einzelnen Fächer sind ziemlich anspruchsvoll, aber nicht unmöglich. Mit ein bisschen Verständnis von Mathe und Physik lässt sich schon das meiste bewältigen.

Wie hast du dich vor deinem Studium bei der Fülle an Studiengängen orientiert?
Durch mein großes Interesse an Physik, Mathematik und dem Wunsch eines dualen Studiums hat sich von vornherein schon die Gesamtauswahl an Studiengängen beschränkt. Demnach musste ich mich nur noch auf Messen nach verschiedenen Maschinenbau- und Informatikstudiengängen umsehen.

Und so bist du auf Digital Engineering gekommen?
Ja, ich bin auf einer Berufsmesse in Chemnitz darauf gestoßen. Eigentlich wollte ich mich dort nach einem dualen Maschinenbaustudium erkundigen. Erfahren habe ich aber, dass es diese Konstellation so nicht gibt und wurde auf einen Stand verwiesen, der etwas Ähnliches anbietet. Dort habe ich meinen jetzigen Studiengangsleiter getroffen, der mir ausführlich und umfangreich den neuen und zukunftsweisenden Studiengang „Digital Engineering“ erklärt hat.

Mittlerweile studierst du im dritten Semester…
… und genieße die Vorteile des BA-Studiums, nämlich die dichte Anlehnung an das Berufsleben. Während meine Freunde sagen können, „Ach, heute hab ich keine Lust auf Uni“, muss ich aufgrund meines Arbeitsvertrages an allen Vorlesungen teilnehmen. Dies bereitet einen sehr gut auf das Berufsleben vor. Ebenso erhalte ich jeden Monat ein sehr gutes Gehalt (für einen Studenten), ohne dass ich einen Nebenjob annehmen müsste.

Zu einem BA-Studium gehört immer ein Praxispartner. Wer ist das bei dir?
Das ist das Institut Chemnitzer Maschinen- und Anlagenbau e.V., kurz ICM genannt. Gefunden habe ich es über eine lange Liste an Praxispartnern, die mir mein Studiengangsleiter auf der Messe mitgegeben hatte. Diese habe ich gezielt nach denen durchsucht, die sich mit Robotik beschäftigen. Übrig blieb unter anderen mein jetziger Praxispartner.

Musstest du dich selbst bewerben oder ist das mit der Einschreibung an der Berufsakademie verknüpft?
Beim Praxispartner muss man sich selbst bewerben, wie bei anderen Jobs auch. Erst gab es ein Bewerbungsschreiben, dann die Zusage mit Einladung zum näheren Kennenlernen und das spätere Angebot mit Arbeitsvertrag.

Was sind deine Aufgaben bei deinem Praxispartner?
Die Aufgaben sind sehr unterschiedlich, da von der Berufsakademie ein sogenannter „Praxisrahmenplan“ vorgeschrieben wird. Dieser beschreibt, welche Themengebiete meine Aufgaben in der jeweiligen Praxisphase haben sollte. Diese Gebiete richten sich natürlich nach dem Lehrstoff der jeweils vorausgehenden Studienphase. Deshalb war meine erste Praxisphase darauf auslegt, mein Unternehmen in seinen internen und externen Regelläufen kennen zu lernen. Die zweite und dritte Phase hatte dann den Schwerpunkt Elektronik. In dieser Zeit habe ich für ein Trainingsgerät intelligente Sensoren erstellt. Zuerst musste ich die zu messenden Größen festlegen, aus denen ich dann eine Platine erstellen, programmieren und testen konnte.

Lässt dir der Studienablauf auch Freiräume, die du selbst gestalten kannst?
Der Ablauf ist reguliert ähnlich wie ein „Stundenplan“ in der Schule, weil die Lehrzeit ja stark komprimiert ist. Drei Monate dauert eine Theoriephase an der Berufsakademie, danach folgen drei Monate Praxisphase im Unternehmen. Ein bisschen Freiraum bleibt dennoch. Man kann sich für Exkurse oder andere Weiterbildungen freistellen lassen. Auch Auslandssemester sind möglich.

Würdest du wieder in Glauchau studieren?
Je länger ich studiere, desto mehr merke ich, wie richtig diese Entscheidung war. Ich würde auch ein zweites Mal wieder in Glauchau studieren. Manko: Die Stadt ist relativ klein, ihr fehlt ein lebendiges Nachtleben. Dagegen könnte man die Studienakademie als kleine Stadt in einer Stadt definieren. Sie ist bestrebt, stets die neuste Technik zu verwenden. Das gesamte Laborgebäude ist zum Beispiel mit den neuesten Gerätschaften ausgestattet. Bei der Betreuung fühlt man sich wohl. Aus meiner Erfahrung heraus nimmt sich jeder Dozent die Zeit, offene Fragen der Studenten in der Vorlesung oder in einer separaten Konsultation zu beantworten. Auch bei Fragen weit weg vom Studium hatte unser Studiengangsleiter immer ein Ohr für uns. Ich bin voll und ganz zufrieden.