André Jäntsch und Felix Gabler sind beruflich doppelt erfolgreich: als Mitarbeiter der TU Chemnitz bzw. des Fraunhofer ENAS und mit dem eigenen Unternehmen, das Dampfsteine für Wasserpfeifen vertreibt.

Dampfsteine verbinden die meisten Menschen wahrscheinlich eher mit einem Besuch in der Sauna als mit Wasserpfeifen. Dank des revolutionären Einfalls von André Jäntsch könnte sich dies jedoch bald ändern. 2010 kam der damalige Maschinenbaustudent auf die Idee, den Tabak in Wasserpfeifen durch ein Alternativprodukt zu ersetzen und entwickelte zu diesem Zweck aromatisierte Dampfsteine, die unter dem Markennamen Shiazo mittlerweile weltweit vertrieben werden. "Das Prinzip funktioniert ähnlich wie bei einer Nebelmaschine. Durch das Erhitzen der Steine verflüchtigen sich die darin gespeicherten Nebelfluide und setzen den typischen aromatischen Shisha-Dampf frei", erklärt Jäntsch die Funktionsweise von Shiazo und fügt hinzu: "Der Vorteil der Dampfsteine liegt darin, dass diese nicht wie der üblicherweise verwendete Tabak anbrennen können. Außerdem sind die Steine vollkommen nikotinfrei und im Vergleich zu alternativen Tabakprodukten relativ günstig, da bei ihnen keine Tabaksteuer anfällt." Von den zahlreichen Vorzügen und dem wirtschaftlichen Potenzial des neu entwickelten Produktes zeigte sich auch Jäntschs damaliger Mitbewohner Felix Gabler begeistert: "Wir beide kennen uns schon seit der siebten Klasse am Gymnasium und hatten bereits damals den Wunsch, etwas Innovatives zu erfinden und eine gemeinsame Firma zu gründen. Andrés Idee lieferte dann eine greifbare Gelegenheit."

Zwar gründete Jäntsch im Juli 2010 die Chunga UG zunächst noch allein, da Gabler im Rahmen seines Elektrotechnikstudiums ab Oktober ein Auslandssemester in Japan verbrachte. Doch bereits ab Mai des folgenden Jahres unterstützten sich beide Jungunternehmer gegenseitig bei der Firmenleitung - und zwar mit Erfolg. Der Absatz der Chunga UG boomte. "Wir hatten anfangs tatsächlich das Problem, der enormen Nachfrage überhaupt gerecht werden zu können und haben fast jede zweite Woche neue Mitarbeiter einstellen müssen", erinnert sich Gabler. Relativ schnell kam dann der Umstieg von der Produktion in der heimischen WG-Küche zur Massenproduktion von monatlich bis zu 80.000 Shiazo-Dosen in einer Schwarzenberger Fabrikhalle. Zuletzt erwirtschafteten die insgesamt 20 Mitarbeiter Monatsumsätze im sechsstelligen Bereich. Außerdem wurden weltweit Patente eingereicht, um die eigene Produktpalette zu schützen. "Außer in der Antarktis haben wir mittlerweile auf allen Kontinenten Abnehmer für Shiazo. Es gibt auch immer mehr Leute, die versuchen, unser Produkt aufgrund der hohen Nachfrage zu kopieren - meist jedoch mit wenig Erfolg."

Doch trotz des wirtschaftlichen Aufstiegs der eigenen Produktionsfirma trennten sich Jäntsch und Gabler Ende 2011 nach nur 18 Monaten von der Chunga UG. "Zum einen soll man eine Firma verkaufen, wenn sie gut läuft, um möglichst viel Profit zu machen, und zum anderen wollten wir beide schließlich auch unser Studium ohne größere Verzögerungen zu einem gelungenen Abschluss bringen", führt Jäntsch die Gründe für den frühzeitigen Ausstieg an. Ganz konnten die beiden aber dennoch nicht ihre Finger vom Geschäft mit den Dampfsteinen lassen. Stattdessen folgte im Januar die Gründung einer weiteren Firma, der nemtra GmbH. "Unsere neue Firma kauft nun die produzierten Güter der Chunga UG auf und verkauft diese zum Beispiel an Großkunden weiter. Mit der Firmenneugründung hatte sich auch unser Aufgabenbereich noch einmal verändert und war damit für uns erneut sehr spannend", erklärt Gabler. Langweilig wird es bei den beiden Unternehmern mit Sicherheit auch sonst nicht. Nach dem erfolgreichen Studienabschluss sind sowohl Jäntsch als auch Gabler ihrer gewählten Fachrichtung treu geblieben. Während Jäntsch als Wissenschaftlicher Mitarbeiter die Professur Fabrikplanung und Fabrikbetrieb der TU unterstützt, fand Gabler eine Anstellung beim Fraunhofer-Institut für Elektronische Nanosysteme ENAS in Chemnitz. "Natürlich hätten wir uns nach dem Verkauf der Chunga UG auch erst einmal etwas Ruhe genehmigen können. Doch gerade die wissenschaftliche Arbeit im eigenen Interessengebiet ist äußerst anregend und erweitert auch den Horizont", so Jäntsch und Gabler ergänzt zustimmend: "Die unterschiedlichen Herausforderungen beider Tätigkeiten bilden einen optimalen Mix."

Für ihren beruflichen Doppelerfolg mussten beide Hochschulabsolventen hart arbeiten und einiges riskieren. Vor allem für die tatkräftige Unterstützung durch das Gründernetzwerk SAXEED sind Jäntsch und Gabler im Nachhinein äußerst dankbar. "Besonders die individuelle Beratung, die uns SAXEED hat zukommen lassen, war natürlich optimal. Oft wurden in gemeinsamen Beratungsgesprächen Fragen aufgeworfen, an die wir vorher noch gar nicht gedacht hatten. Das hat uns möglicherweise vor dem einen oder anderen Fehler bewahrt. Außerdem war es natürlich interessant und hilfreich, die zahlreich angebotenen Workshops und Vorträge zu besuchen. Rückblickend würden wir das auf jeden Fall wieder machen und dabei auf die Unterstützung von SAXEED setzen", so Jäntsch. Diesen Ratschlag, auf die Unterstützung der erfahrenen Mitarbeiter des Gründernetzwerkes zu vertrauen, ergänzt Gabler abschließend mit folgenden motivierenden Worten an andere zukünftige Jungunternehmer: "Wenn man eine aussichtsreiche Idee hat, sollte man diese auf jeden Fall realisieren. Denn selbst, wenn der große Erfolg ausbleibt, hat man am Ende zumindest wertvolle Erfahrungen gesammelt. Es lohnt sich also immer, etwas Mut zu beweisen und an sich zu glauben."

Text: Ina Huke
Foto: Michael Chlebusch

 
nach oben