Lydia: Die Ruhe kommt im Seminar

Wenn die Kraft schwindet, wird der Weg zur Hochschule schwierig. Lydia lässt sich davon nicht unterkriegen. Ihrer Autoimmunkrankheit setzt sie ein Ziel entgegen – ein Lehramtsstudium an der TU Dresden.

Die Momente, in denen Mitstudenten Lydias Krankheit ahnen, sind selten. Dass das Immunsystem ab und an verrücktspielt, ist der Studentin kaum anzusehen. Und selbst die Ärzte wissen noch nicht so recht, warum es ihr Körper auf gesunde Muskelfasern abgesehen hat, sie angreift und zerstört. Dermatomyositis nennen Wissenschaftler das. „Eine chronische Autoimmunerkrankung aus der Rheumaecke“, sagt Lydia dazu, „eine, die sich zusätzlich auf die Haut ausbreitet“. Was so greifbar klingt, zwingt die 21-Jährige Lehramtsstudentin in Entzündungsphasen sprichwörtlich in die Knie. Die Krankheit ist ein Auf und Ab. Mal spürt sie kaum Einschränkungen, mal schmerzt jede Bewegung. Dann glühen ihre Knie. Dann fehlt ihr die Kraft. Dann wird jeder Schritt zum Spießroutenlauf. Im vergangenen Herbst so stark, dass sie das Studium für einen Krankenhausaufenthalt unterbrechen musste.

Probleme mit den Gelenken hatte sie schon immer. Seit sie ein Kleinkind war, litt sie an Rheuma. Pausen im Sportunterricht damals in der Schule gehörten dazu. Ansonsten hatte sie wenige Beschwerden. Bis zum Abitur wurde es immer besser. „Ich dachte, ich wäre geheilt“, erzählt Lydia, entschied sich für ein Studium in den Fächern Kunst und Geografie an der Technischen Universität Dresden – und wurde im ersten Semester vom Ausbruch ihrer Krankheit überrumpelt. Der Stress könnte ein Auslöser gewesen sein. Genau wissen es selbst die Ärzte nicht.

„Ich hatte keine Muskelkraft mehr, schaffte es ohne Hilfe nicht aus dem Bett, geschweige denn die Treppenstufen an der Uni zu bewältigen“, erinnert sie sich. Das Studium musste pausieren – das war das Übel. Das Wohl war die Reaktion der Dozenten. Vor allem im Fach Kunst warteten viele Aufgaben auf die Studenten. Trotz langem Warten auf Unterschriften und die ärztlichen Atteste genügte vielen Dozenten oft nur ein Gespräch, um eine Lösung zu finden. Viel steiniger waren dagegen die Wege. Und viel zu weit. Zwar gibt es überall Rampen und Aufzüge für Beeinträchtigte, doch Lydia ging die Kraft oft schon auf halbem Weg aus. „Die Gänge bis zu den Fahrstühlen waren für mich damals viel zu lang“, erinnert sie sich. Erst Ende des Winters, auf neue Medikamente eingestellt, war die Kraft für einen ganzen Unitag zurück – und für eine Beratung bei Prof. Spallek von der Behindertenvertretung der Hochschule.

Die kostenlose Beratung steht allen Studenten offen, die durch Krankheit oder Behinderung Probleme im Studium bekommen. Für Lydia war sie die erste Möglichkeit zum Aufatmen. Nicht nur, weil sie dort von sogenannten Nachteilsausgleichen erfuhr, sondern auch weil sie Hoffnung bedeuteten, das Semester nicht wiederholen zu müssen. Auf Antrag bekommt sie nun bei schriftlichen Prüfungen zwanzig Prozent mehr Zeit eingeräumt. Dauerhaft, für das ganze Studium. Zeit, die sie benötigt, um den schmerzenden Gelenken Pausen vom anstrengenden Schreiben zu gönnen. Auch für praktische Prüfungsleistungen darf sie sich mehr Zeit lassen. Von diesen Regelungen bemerken die meisten Mitstudenten nichts. Höchstens dann, wenn sich nach der schriftlichen Prüfung der Hörsaal leert und die Lehramtsstudentin als einzige sitzenbleibt, um weiter zu schreiben. Oder wenn sie die Hausarbeit ein paar Tage später beim Dozenten abgibt.

Die Schreibverlängerung soll den Nachteil ausgleichen, der ihr durch ihre Krankheit entsteht. Sie nutzt sie nur, wenn es wirklich nötig ist. „Meine Krankheit lebt ja auch von besseren Phasen“, sagt sie. Die Prognose ist gut, sie hat ihren Körper und das Organisieren um ihn herum kennengelernt. Jede Woche hat starke und schwache Tage – selbst in den entzündungsfreien Zeiten. Montags muss sich die Studentin eine Spritze verabreichen, Dienstag und Mittwoch mit den Nebenwirkungen leben. Migräneanfälle sind ein Übel, das sie bei der Zusammenstellung ihres Stundenplanes längst einplant. Die wichtigen Veranstaltungen versucht sie stets auf die zweite Wochenhälfte und um die regelmäßigen Physiotherapie- und Arzttermine herum zu legen. Zeit, ja Zeit hätte sie gern mehr, sagt sie mit einem Schulterzucken.

Ist die Organisation des Unialltages geschafft, bleiben die Wege. „Das Zwischendurch, die Wechsel zwischen den Räumen oder Seminargebäuden, sind anstrengend für mich. Die Ruhe kommt im Seminar.“ Schlafen die Füße während den Vorlesungen ein, gibt sie vor, auf die Toilette zu müssen und vertritt sich die Beine, bis das Leben in die Glieder zurückkommt. Sie will ihr Studium so normal bewältigen wie alle anderen Studenten auch. In guten Phasen reicht die Kraft sogar für einen Nebenjob. Gymnasiallehrerin für Kunst und Geografie, das ist ihr Ziel. Behindert darin es zu verwirklichen, fühlt sie sich nicht. „Die Krankheit ist ein Teil von mir“, sagt sie, „aber längst nicht der Teil, der mich ausmacht.“ Und die Kraft, die sie ausstrahlt, während sie das sagt, lässt keinen Zweifel daran, dass sie ihr Studium erfolgreich absolvieren wird. Ohne, dass die anderen Studenten ihre Krankheit auch nur ahnen können.

Melanie: Heute bin ich eine soziale Chemikerin

Solange ich denken kann, wollte ich immer nur › irgendwas Soziales ‹ machen. Auf diesen Wunsch hab ich hingearbeitet: mit vielen Praktika – vom Kindergarten bis zur Wohngruppe für Schwererziehbare – ehrenamtlichem Engagement und natürlich dem Fachabitur in Sozialwesen, um überhaupt studieren zu können. Damit habe ich mich an verschiedenen Hochschulen deutschlandweit für den Studiengang › Soziale Arbeit ‹ sowie an der Hochschule Zittau/Görlitz für › Behinderten- und Heilpädagogik ‹ beworben.

Von allen Hochschulen trudelten Absagen ein. Die Hochschule Zittau/Görlitz hatte im Bewerbungsformular allerdings ein Feld, in das man seinen Zweitwunsch eintragen sollte. Ich kann das heute nicht mehr richtig nachvollziehen, aber dort hatte ich Chemie hingeschrieben. Und die Hochschule Zittau/Görlitz wollte mich als Chemiestudentin! Unfassbar!

Mein Plan sah vor, in Zittau mit dem Chemiestudium zu beginnen und kurze Zeit später innerhalb der Hochschule nach Görlitz zu wechseln, um › Behinderten- und Heilpädagogik ‹ zu studieren. So kam ich jedenfalls nach Zittau. Die 14 anderen Chemiestarter brachten einiges mehr an Physik-, Mathe- und Chemiekenntnissen mit. Ich will ehrlich sein, es war anfangs nicht leicht, mich zu behaupten. Mir wurde einiges an Skepsis entgegen gebracht und ich musste mich oft erklären, warum ich aus Niederbayern nach Zittau gekommen bin. In das Studentenleben fand ich mich allerdings doch schneller ein als gedacht. Dann waren das erste Semester und die ersten Prüfungen vorbei und ich ging zum Studienberater, um mit ihm meinen Wechselwunsch zu besprechen. Ich hatte mehr als die Hälfte aller Prüfungen bestanden und stieß auf Verwunderung, warum ich überhaupt wechseln will.

Dieses Gespräch und auch das Verhalten meiner Freunde in Bayern, die es eher amüsant fanden, dass ausgerechnet ich Chemie studiere, führten erstaunlicherweise dazu, dass ich mich doch intensiver mit meinem Studium beschäftigte. Einigen guten Dozenten und einem lieben Studienfreund mit großem Wissen und noch mehr Geduld habe ich zu verdanken, dass ich das Grundstudium gut gemeistert habe. Natürlich habe ich innerhalb der Chemie auch etwas gefunden, was ich unendlich spannend und bis heute interessant finde: Organische Synthese und alles, was dazugehört. Für alle Nicht-Chemiker sei erklärt: Hierbei geht es um das Kochen mit Chemikalien. Man beobachtet und prüft, ob das Gewünschte dabei herauskommt und schmeckt. Auf dieses Thema habe ich mich im Hauptstudium bzw. Praxissemester und Diplom konzentriert. Letztendlich ist aus mir eine gute und glückliche Chemikerin geworden – mit einer ordentlichen Eins vor dem Komma.

Wenn man – wie ich – zwischen zwei grundsätzlich so unterschiedlichen Dingen entschieden hat bzw. entscheiden musste, wird es immer mal wieder den Moment des Zweifelns geben: War das alles richtig? Was wäre geworden, wenn ich zwei, drei Jahre gewartet hätte? Diese Fragen darf man sich natürlich stellen. Ich bin über meine Entscheidung alles andere als unglücklich, für mich war es wahrscheinlich so vorbestimmt und meine Ungeduld hat mich bereichert. Im Alltag übrigens gibt einem das Wissen über Chemie fast genauso viel › Macht ‹ wie Kenntnisse der Psychologie.

Michael: In der Welt zu Hause

Michael wollte eigentlich Pilot werden, bis er feststellte, dass Piloten gar nicht so viel mit Technik zu tun haben, wie er sich das vorgestellt hatte. Jetzt hat Michael sein Masterstudium als Wirtschaftsingenieur abgeschlossen und war schon zweimal in China. Für Studenten an der Hochschule für Technik, Wirtschaft und Kultur Leipzig ist ein Praxissemester Pflicht. » Das erste Mal war ich zum Praktikum bei BMW in Shenyang/Nordchina. Im Master habe ich dann chinesisch gelernt und bin nochmal für vier Monate an die Partnerhochschule der HTWK Leipzig nach Hangzhou in der Nähe von Shanghai gegangen. « Das Reisen war auch der Grund, warum sich der 29-Jährige für Wirtschaftsingenieurwesen an genau dieser Hochschule entschieden hat: » Ich wusste, was ich studieren wollte, aber nicht genau wo. Ich habe mich dann unter anderem in der Broschüre › Pack dein Studium ‹ schlau gemacht. Dort wurde die HTWK Leipzig vorgestellt, die mir mit ihrer Praxisnähe und den vielen Auslandskooperationen sofort gefallen hat. Genau das habe ich gesucht. Später habe ich die Kampagne › Pack dein Studium ‹ selbst bei verschiedenen Messen vorgestellt und über meine Art der Studienfindung berichtet. «

Michaels Schwerpunkt ist die Elektrotechnik. Ganz so neu waren die Studieninhalte für ihn aber nicht. Vor seinem Studium hat er Elektriker gelernt und bereits ein Jahr in der Produktentwicklung gearbeitet. » Ich habe mich viel mit Ingenieuren unterhalten, fand es aber auch spannend, was der Vertrieb macht. Also habe ich mein Abi nachgeholt und angefangen Wirtschaftsingenieurwesen zu studieren. «

Dennoch hat Michael bei der Wahl seines Studiums großen Wert auf Technik gelegt. » Das sollte für mich die Grundlage sein. Die ersten beiden Semester waren wirklich hart. Da habe ich schon gezweifelt, ob ich das alles schaffen kann. Ich bin kein Mathematiker und auch kein angewandter Physiker, musste die Kurse trotzdem besuchen. Aber meine Kommilitonen saßen im selben Boot wie ich. Wir haben uns unterstützt, indem wir gemeinsam gelernt haben. Und ich dachte immer: Andere vor dir haben das auch geschafft «, sagt er und lacht. » Nach dem Grundstudium kommt dann der angenehme Teil des Studiums – so misst man schon mal im Sommer Solarmodule mit Blick über Leipzig. « Michael arbeitete auch in einer der Hochschulgruppen an der HTWK Leipzig mit, bei der Studierende selbst einen Roboter bauen und damit am internationalen Wettbewerb Eurobot teilnehmen.

Schlüsselerlebnisse waren für ihn aber Module in Medizintechnik und Projektmanagement: » Wir haben uns z. B. in der Uniklinik Leipzig die Technik im OP anschauen können. Toll fand ich auch, dass Manager uns in Seminaren von ihren Erfahrungen berichtet haben. Beides hat mich inspiriert. Roboter sind im Moment noch eher ein Spielzeug beziehungsweise werden hauptsächlich in der Industrietechnik eingesetzt. Ich würde sie gern in der Medizintechnik nutzen oder einen Roboter konstruieren, der uns den Alltag erleichtert «, träumt Michael.

Seinen ersten Job nach dem Studium fand Michael bei Vishay, einem der größten Hersteller von elektronische Bauelementen. Im Produktmanagement hilft er den europäischen Kunden seines Arbeitgebers, innovative und bezahlbare Lösungen für die Elektronik von Morgen zu finden.

Bianca: Alles einmal ausprobieren

Bianca studiert den Masterstudiengang „Information and Communication Science” an der Hochschule Mittweida. Seit über vier Jahren wohnt die Oberfränkin in der sächsischen Kleinstadt und lebt dort erfolgreich nach dem inoffiziellen Hochschulmotto: „Mittweida ist, was du draus machst.“ Für alles andere gibt es ja auch noch Chemnitz und Dresden.

Du hast deinen Bachelor im Studienfach Medienmanagement gemacht. Worum geht es dabei?
Es geht ganz allgemein um Radio-, Fernseh- und Onlinemanagement, eben um alles, was mit Medien zu tun hat. Gleichzeitig lernt man aber auch viel über die betriebswirtschaftlichen Grundlagen sowie die technischen und kreativen Umsetzungsmöglichkeiten. Medienmanager sind für alles verantwortlich – von der Idee bis zum fertigen Projekt.

Wie bist du auf die Hochschule Mittweida gekommen?
Ich habe in meinen Herbstferien im Jahr 2009 ein zweitägiges Schnupperstudium an der Hochschule Mittweida absolviert. Danach war ich von der sehr guten Ausstattung begeistert, denn hier gibt es ein komplettes Fernseh- und Radiostudio. Damals wollte ich unbedingt ins Radio. Das habe ich zwar wieder verworfen, doch es ist toll, wenn man erst einmal alles ausprobieren kann.

Was hast du denn alles ausprobiert?
Die Mitorganisation des „Medienforums“ und des „Campusfestivals“ zum Beispiel, zwei Veranstaltungen, an denen Referenten und Firmen aus ganz Deutschland teilnehmen. Wir haben hier eben viele Projekte mit externen Unternehmen, im Vergleich zu einer eher theoretischen Uni ist das etwas ganz anderes. Deshalb bin ich auch zum Master hier geblieben.

Du studierst nun „Communications Monitoring“. Was ist das?
Das ist die komplexe Datenanalyse. Ich habe ja schon meine Bachelorarbeit über „Self-Tracking“ geschrieben und dafür gemessen, wie lange ich schlafe und wofür ich wie viel Zeit aufwende. Im Master spezialisiere ich mich nun auf Selbstdatenschutz, überlege also zum Beispiel, wie Versicherungen und Unternehmen die Daten ihrer Kunden schützen können und was passieren kann, wenn diese nicht geschützt werden.

Was zeichnet die Hochschule Mittweida aus?
Die Professoren kennen einen, sie arbeiten ja auch in den Projekten mit. Weil alles so klein ist, ist es auch gemütlich. Ich kann mir nicht vorstellen, in eine Hochschule zu gehen, wo Vorlesungen per Video übertragen werden, damit sie alle sehen können. Hier kriegt man immer einen Sitzplatz. Die Hochschule sucht zudem immer nach einer Lösung, auch wenn man beispielsweise mit Kind studiert. Ich habe das Gefühl, sie kümmert sich sehr gut um ihre Studierenden.

Fühlst du dich nach vier Jahren etwas sächsisch?
Eigentlich nicht so sehr. Ich bin ja in den Ferien immer noch zu Hause, brauche nur zwei Stunden mit dem Auto. Wenn ich in Mittweida bin, spreche ich aber immerhin nicht fränkisch, das kann ich nur mit anderen Franken. In meinem direkten Umfeld habe ich eher Studierende aus der sächsischen Umgebung. Wäre ja auch langweilig, wenn ich mich hier mit den gleichen Leuten umgeben würde wie zu Hause.

Mittweida hat nur knapp 16.000 Einwohner. Wird es da nicht manchmal zu eng?
Mittweida ist, was du draus machst, heißt es ja. Es gibt viele WGs und deshalb auch viele WG-Partys. Man trifft sich mit seinen Freunden oder fährt in die benachbarten Großstädte Chemnitz und Dresden. Ich finde das gut so, denn es gibt dadurch nicht so viel, das dich vom Studium ablenken könnte. Meine Heimatstadt Forchheim ist auch nur doppelt so groß wie Mittweida, ich bin es also gewöhnt.

Was ist das Schönste an deinem Studienort?
Das Schönste an meinem Studienort sind die kurzen Wege. Ob in den Park, die Stadt, die Hochschule oder zu Freunden – man erreicht alles zu Fuß und in nur ein paar Minuten.

Mark: Steckbrief sagt Zukunft voraus

» Ich bin im Wald groß geworden, gehe jagen oder einfach nur spazieren. Es wurde Zeit für mich zu wissen, wo Holz eigentlich herkommt.« Heute studiert Mark Forstwissenschaften.

Nach Abitur, Wehrdienst und kurzer Auszeit in Schweden hat Mark, damals 20 Jahre alt, eine Ausbildung zum Tischler begonnen und 2012 als Innungsbester abgeschlossen. Sein Interesse am Rohstoff Holz war mittlerweile so groß, dass ihm das Wissen um dessen Verarbeitung nicht mehr ausreichte. » Außerdem wollte ich sowieso studieren, einfach, um es mal gemacht zu haben «, sagt Mark und lacht. » Bei Forstwissenschaften machst du wirklich alles, von biologischen Prozessen, Grundlagenchemie, Bodenkunde, Insekten- und Waldwachstumslehre, Mathematik, Statistik bis hin zu Inventur, Betriebsführung, Manage ment und Forstpolitik. «

Auf Dresden aufmerksam wurde Mark durch die Broschüre » Pack dein Studium «. » Das Interesse der Uni, junge Leute für ihre Studiengänge zu begeistern, hat mir imponiert. Naja und ich musste hier kein Vorpraktikum machen und auch keine Studiengebühren zahlen. Und nach 23 Jahren in meinem Heimatort Celle wollte ich irgendwohin, wo ich noch nie war und keinen kannte. Der Anblick der Elbpromenade hat mich dann auch gleich geflasht. « Auf die ist er an seinem ersten Tag eher aus Versehen gestoßen. Eigentlich wollte er zum Studentenwohnheim, hat sich aber mit seinem Motorrad völlig verfahren. » Ich war erstaunt, wie groß das alles ist. Also zumindest für mich, der da irgendwo aus der Heide kommt. «

Obwohl zur TU Dresden gehörend, wird die Fachrichtung Forstwissenschaft 20 Kilo meter außerhalb von der Landeshauptstadt gelehrt. » Tharandt ist ein kleiner Ort. Dennoch gibt es hier alles, was man braucht. Es ist sehr familiär und ich habe schnell Anschluss gefunden. Die Professoren können sehr ernst sein, sind aber auch Kumpel typen. Sie lassen dich niemals alleine. Und wir haben hier den Laufsteg für Forstmode. Der einzige Nachteil: Der Campus hat keine Kneipe. Dafür schätze ich die Nähe zur Dresdner Neustadt sehr, denn als Förster sollte man definitiv feiern können. «

Neben seinem Studium ist Mark im Fachschaftsrat aktiv und engagiert sich für alles, was irgendwie mit Wald zu tun hat. Im Heinrich Cotta Club, der nach dem Gründervater der Außenstelle Tharandt benannt ist, organisieren die Studenten grüne Bälle, Themenabende mit Professoren, Sportveranstaltungen, Campusfeste und Clubabende. Ein größeres Projekt sind die » Tharandter Gespräche «, ein Kongress, zu dem Forststudenten aus ganz Deutschland kommen, um sich in Seminaren, Workshops und Exkursionen auszutauschen. Durch die Gremienarbeit muss er jetzt ein Jahr länger studieren. » Aber das ist mein Weg. Ich kann nur jedem empfehlen, einfach das zu machen, was man machen will und sich davon nicht abbrin gen zu lassen. «

Jenny: Den Ton angeben

» Lehrer zu werden, das sollte eine bewusste Entscheidung sein.« Jenny lernt mit elf Jahren Klavier spielen und wird nun Musiklehrerin.

» Als ich das erste Mal vor dem eisernen, reich verzierten Tor in der Grassistraße stand, war ich ganz ehrfürchtig. Und dann diese Steingebäude und Säulen … «, Jenny denkt gern an die Anfänge ihres Studiums an der Hochschule für Musik und Theater Leipzig (HMT) vor sechs Jahren zurück: » Ich war berauscht von all den Möglichkeiten, die einem diese Kunsthochschule bietet – angefangen von den vielen Studienrichtungen, den Fachschaftsräten bis hin zur Chance, einfach nur Theater zu spielen. Die Leute waren alle so aufgeschlossen und innerhalb von kürzester Zeit hatte man Freundschaften fürs Leben geschlossen. Das war schon eine spannende Zeit «, schwärmt die 26-Jährige. Mittlerweile ist Jenny im 4. Mastersemester und gehört zu den Erfahreneren, die genau wissen, wie besonders die HMT ist: » Die Hochschule hat eine lange Tradition und ist international bekannt, da sie die älteste ihrer Art in Deutschland ist. Deswegen wollte ich auch unbedingt hierher. «

Ihre Erwartungen haben sich weitestgehend erfüllt. Schon vorher wusste Jenny, dass die HMT vor allem eine künstlerische Ausprägung mit vielen verschiedenen Disziplinen anbietet und dass Einzelunterricht gang und gäbe ist. » Wir haben Dozenten, die mit ihrer Art eine Vorlesung zu halten, eine neue Welt öffnen. Das finde ich toll. Nur das mit den Pädagogikseminaren habe ich mir anders vorgestellt. Bei aller Theorie habe ich doch das meiste in den Praktika gelernt. « Am besten gefällt Jenny, dass sie während ihres Studiums künstlerisch aktiv sein kann. In Opernprojekten werden mit Sängern und einem Orchester professionell Opern inszeniert. Auf Hauskonzerten können sich die Studierenden Bestätigung holen – oder kassieren auch mal negatives Feedback.

» Es gibt manchmal schon Momente, in denen ich an meiner Berufswahl zweifele. Zum Beispiel im Schulpraktikum, wenn mal etwas schiefläuft. Dann frage ich mich schon, ob Lehrer der geeignete Beruf ist. Ich tausche mich dann gern mit Gleichgesinnten aus, denn ehrlich: Jeder kämpft mit denselben Problemen. Aber ich finde meine Motivation immer wieder am Klavier. Einfach eine Stunde spielen und ich bin wieder beruhigt. « Ihren Ausgleich zum Studi um holt sich Jenny beim Laufen, Tanzen oder Yoga.

Neben der Hochschule schätzt Jenny auch ihre Wahlheimat Leipzig. Ihre Lieblingsplätze sind der Auenwald und die alte Baumwollspinnerei, die Anfang der 19«90er Jahre zum künstlerischen Szeneviertel avanciert ist, gleichzeitig aber immer noch die Geschichte der Industrialisierung erzählt. » Und ich mag die Leute hier. Die sind so freundlich. «

Nadja: Brücken schlagen

Nadja, Diplom-Geoökologin, schwört auf interdisziplinäre Studiengänge. Noch so ein Wort, mit dem sich Abiturienten auseinandersetzen müssen. Interdisziplinäre Studiengänge sind all jene, die verschiedene Wissenschaftsdisziplinen beinhalten. Dabei geht es darum, „Global Player“ auszubilden, die sich neben Expertenwissen auch in anderen Fachrichtungen auskennen. „Brücken schlagen“ ist das Motto. Nadja ist diesem bereits 1996 gefolgt, als sie sich in Freiberg für Geoökologie einschrieb: „Ich habe mich schon immer für Geologie und Biologie interessiert und mir auch beide Studiengänge angesehen. Geoökologie, eine Mischung aus beiden Fachrichtungen, wurde damals gerade gegründet. Freiberg war zu dem Zeitpunkt eine der wenigen Unis in Deutschland, die das anbot. Im Hauptstudium belegte ich vier Vertiefungen: Mikrobiologie, Umweltanalytik, Geotechnik, also Bergbau, und Hydrogeologie.“

Während ihres Studiums hat Nadja in einer Naturschutzstation gearbeitet und Schüler in den Ferien betreut. Später hat sie bei der Landestalsperrenverwaltung geholfen, Wasserproben zu analysieren. Durch das interdisziplinäre Angebot ihres Studiums hat sie ihre Diplomarbeit in der Mikrobiologie schreiben können. Das und die speziell an der Uni gelernte Fluoreszenzmikroskopie haben ihr zu ihrem ersten Job verholfen: „Ich habe mich an der Dresdner Uniklinik beworben, wo jemand für ein Forschungsprojekt in der Reproduktionsmedizin gesucht wurde. Ich habe auch Vorträge gehalten, an eigenen Veröffentlichungen gearbeitet und bin viel rumgekommen.“ Das Berufsfeld solcher Studiengänge ist vielfältig. Nadjas Kommilitonen arbeiten z.B. in Ingenieurbüros, Umweltämtern, Umweltredaktionen sowie in der Entsorgung, Abfallwirtschaft, Wasserwirtschaft, Hygiene oder Öffentlichkeitsarbeit gefunden. „Man steht in all diesen Disziplinen aber in Konkurrenz mit den Fachstudenten. Daher ist eine Spezialisierung irgendwann schon notwendig. Aber man ist vom Wissen her breiter aufgestellt und kann Brücken schlagen."

Bei ihrem jetzigen Job im Schülerlabor DeltaX des Helmholtz-Zentrums Dresden-Rossendorf (HZDR) kommt ihr die Vielfalt der Ausbildung zu Gute. „Ich habe während meines Studiums festgestellt, dass ich gern mit Jugendlichen arbeite. Als 2012 ein Mitarbeiter für das Schülerlabor gesucht wurde, habe ich mich beworben und den Job bekommen.“ Das HZDR ist mit etwa 1.100 Mitarbeitern das größte außeruniversitäre Forschungsinstitut in Sachsen. „Ins Schülerlabor kommen im Jahr aktuell 2.500 Schüler. Wir wollen das Interesse an Physik und den Naturwissenschaften wecken und zeigen, was man als Wissenschaftler, Techniker oder sonst so im MINT-Bereich machen kann. Mit meiner jetzigen Arbeitsstelle bin ich sehr glücklich.“

Sebastian: Kenner & Könner von Javascript, HTML & Co

Sebastian ist in Chemnitz geboren und sieht gar keinen Grund wegzugehen. Seit sechs Semestern studiert er an der Technischen Universität Angewandte Informatik. Informatik ist seine Leidenschaft, die er auch gern teilt.

Warum gerade Informatik?
Ja, ich war schon in der Schule gut in Informatik und habe mich zum Abitur nur noch gelangweilt. Da war es ziemlich schnell klar, dass ich Informatik studieren möchte. Bei der Auswahl haben mir der Tag der offenen Tür und das Uniranking geholfen. Die Uni hatte sehr gute Bewertungen, also warum weggehen?!

Was zeichnet die Technische Universität Chemnitz aus?
Eine super Betreuung. Die Hochschullehrer sind locker und nett, und man kommt schnell ins Gespräch. Auch der Kontakt zu anderen Studenten, selbst aus höheren Semestern ist total unkompliziert und familiär. Insgesamt herrscht hier eine gute Atmosphäre. Letztes Semester haben wir z.B. im Team ein Spiel programmiert. Aber auch neben dem Studium gibt es viele Möglichkeiten sich auszuprobieren. Ich war schon als Hilfskraft an der Uni tätig und gehöre jetzt zum Team des „Futuretruck“ der TU Chemnitz. Das ist ein mit verschiedenen Exponaten (z.B. 2- und 4-Takt-Verbrennungsmotoren oder Flaschenzug) ausgestatteter LKW, mit dem wir regelmäßig durch Sachsen und andere Bundesländer fahren, um Schülern anhand von interaktiven Experimenten Naturwissenschaften und Informatik näher zu bringen. Beim Robo-Experiment z.B. bastelt man sich am Rechner ein Programm zusammen, kompiliert es (übersetzt es in Maschinensprache) und überträgt es auf den Roboter. Und der reagiert dann hoffentlich in der gewünschten Form. Es gefällt mir sehr, dass ich Schülern etwas beibringen und sie für Informatik begeistern kann. Seit ein paar Jahren engagiere ich mich auch bei den Chemnitzer Linux-Tagen. Das ist eine ziemlich große Veranstaltung rund um das Linux-Betriebssystem und freie Software, die von Studenten, Absolventen und Mitarbeitern der TU Chemnitz ehrenamtlich organisiert wird. Das macht mir viel Spaß, weil ich neben dem Orga-Aufwand auch Einiges über spannende Themen und neue Entwicklungen erfahren kann.

Was magst du an Chemnitz?
Chemnitz ist meine Heimatstadt, meine Freunde und meine Familie sind hier, das Erzgebirge liegt vor der Tür. Wenn man eher der ruhige Typ ist und wie ich das Fahrradfahren in schöner Landschaft liebt, dann ist Chemnitz genau die richtige Wahl.

Was empfiehlst du Studienanfängern?
Hört in Euch selbst hinein. Lasst euch nicht in eine Schublade pressen, lauft nicht einfach mit, sondern schaut, was ihr wirklich könnt, wo Eure Stärken liegen und was Euch Spaß macht. Und kommt nach Chemnitz, es lohnt sich!

Peter: "Und du willst wirklich Lehrer werden?"

Sein Berufswunsch wurde immer mit einem „Oh Gott!“ kommentiert. Dennoch hielt Peter daran fest und jongliert seit einem Jahr mit Zahlen. Der 20-Jährige studiert Lehramt an Gymnasien für die Fächer Mathematik und Informatik.

Traumberuf Lehrer: Jetzt mal ehrlich. Gab es da nicht auch mal etwas anderes? Feuerwehrmann zum Beispiel?
Nein, ich wollte wirklich Lehrer werden. Als ich auf der Realschule war, hatte ich mal Streetworker im Sinn. Aber dann konnte ich aufs Gymnasium wechseln und mein Wunsch wurde wieder real.

Warum gerade Mathematik und Informatik?
Ich habe mir überlegt, was ich wirklich unterrichten könnte. Mathe konnte ich schon immer gut, mit Computern kannte ich mich aus. Ich habe mit meinen Lehrern gesprochen, ob die mich dafür geeignet hielten. Auf die Studieninhalte habe ich mich einfach eingelassen.

Du studierst an der Universität Leipzig. Kamen für dich auch andere Unis in Frage?
Nicht wirklich. Ich mochte die Uni von Anfang an. Sie ist sehr modern, unterstützt, wo sie kann, informiert und berät in verschiedenen Lebenslagen und verfügt über ein immenses Freizeitangebot, zum Beispiel Radio Mephisto, bei dem man mitmachen kann. Das fühlt sich gar nicht mehr wie studieren an, sondern eher sehr familiär.

Was macht Leipzig als Unistadt für dich aus?
Leipzig ist toll. Die Stadt ist kulturell so vielfältig, weil auch viele von außerhalb kommen. Es gibt viele Seen und Wald, was man von einer Stadt nicht unbedingt erwartet. Mein Lieblingssee ist der Cospudener See im Süden Leipzigs.

Erinnerst du dich an deine ersten Tage an der Uni?
Ja, das ist ja nicht so lange her. Und ich hatte tolle erste Eindrücke. Die Uni hat große neue Gebäude, die Lehre wird unterstützt, indem zum Beispiel Lizenzen für Arbeitsprogramme gestellt werden. Aber ich war auch erschlagen von den ganzen neuen Sachen - allein die Studienordnungen…

Vor welchen Herausforderungen hast du noch gestanden?
Jede Mathevorlesung ist eine Herausforderung. Das Niveau ist sehr hoch, aber mir waren die Anforderungen bewusst. Ich wollte mich daher erst einfinden und dann meine Leistungen verbessern. Ich glaube diejenigen, die immer nur Einsen wie in der Schule schreiben wollten, haben eher Rückschläge erfahren als ich.

Was ist dein Antrieb?
Ich bin ehrenamtlich bei der Wasserwacht als Rettungsschwimmer. Bei unseren Tauchsymposien gibt es am Ende des Tages immer einen Biologen, der über Meeresbiologie erzählt. Er macht das so unterhaltsam, dass ich ihm trotz sechs anderer Vorträge immer noch zuhöre. So will ich auch mal Wissen vermitteln können.

Frederic: Mit Dolmetscherin im Hörsaal

Seit seiner Geburt ist Frederic gehörlos. Seine Leidenschaft sind Getriebe. An der Westsächsischen Hochschule Zwickau kann er beides vereinen und studiert Maschinenbau.

Da schlagen Pfannen aneinander, dort zischt es in Töpfen, drüben auf dem Herd brutzeln Schnitzel, und zwischendrin geht immer wieder die Klingel aus dem Servicebereich. Wie hektisch es in einer Küche zugehen kann, weiß Frederic auch ohne, dass er die Geräusche auseinanderhalten könnte. Und dass das Gewimmel im Herzen eines Restaurants doch nichts für ihn ist, das weiß er mittlerweile auch. Ein Praktikum hat ihn vom einstigen Wunschberuf Koch abgebracht und damit den Grundstein für sein Studium an der Westsächsischen Hochschule Zwickau gelegt.

Inzwischen sind es Getriebe, die ihn in ihren Bann ziehen. „Ich mag es, Dinge im Kopf zusammenzusetzen, Probleme zu lösen und neue Ideen zu konstruieren“, erklärt der angehende Maschinenbauingenieur seine Leidenschaft. Wie sich Getriebe bewegen und wie ihre Räder ineinandergreifen, das fasziniert ihn. Weil es dabei auf Kleinigkeit ankommt, weil Präzision gefragt ist und weil es keine Rolle spielt, ob und wie sie sich dabei anhören. Wie Normalhörende ihren Alltag wahrnehmen, kann Frederic nämlich nur ahnen. Von Geburt an ist der 22-Jährige gehörlos. Lautlos ist seine Welt dennoch nicht. Schon als Kleinkind bekam er ein sogenanntes Cochlea-Implantat.

Damit kann er Geräusche wahrnehmen und sogar einzelne Gespräche verfolgen. Sprechen allerdings mehrere Menschen durcheinander oder nehmen Nebengeräusche wie damals in der Praktikumsküche überhand, wird es schwer für ihn. In Lehrveranstaltungen stehen ihm deshalb zusätzlich Gebärdensprachdolmetscher zur Seite. Und zusätzlich zur Liebe zu den Getrieben ist es nicht zuletzt auch ein Verdienst dieser Dolmetscher, dass sich Frederic für ein Studium in Zwickau entschieden hat.

Nach dem Abitur schaute er sich verschiedene Studienmöglichkeiten an. Dabei weckte die Hochschule im westlichen Zipfel von Sachsen sein Interesse. Er fuhr nach Zwickau, um ein paar Tage auf dem Campus zu schnuppern. „Ich war überrascht, wie bei der Besichtigung damals Übersetzer für mich organisiert wurden und habe mich von Anfang an wohlgefühlt“, erzählt er. „Die Hochschule ist modern, praxisbezogen und für alle Probleme gibt es Ansprechpartner.“ Als er noch erfuhr, dass die Westsächsische Hochschule Zwickau selbst den Studiengang Gebärdensprachdolmetschen anbietet, waren für den gebürtigen Niedersachsen die letzten Zweifel ausgeräumt. „Hier hatte ich das Gefühl, dass man mich unterstützen würde wie in einer Familie. Bei anderen Hochschulen, die ich mir angesehen hatte, war das nicht der Fall.“

Heute erinnert in Frederics Alltag nichts mehr an den einstigen Wunschberuf. In der Küche steht er nur noch als Hobbykoch. Er studiert im ersten Semester Maschinenbau und würde sich immer wieder dafür entscheiden. Auch wenn ihn sein Hochschulalltag mehr Konzentration kostet als so manchem Normalhörenden. Um den Inhalt von Lehrveranstaltungen zu verstehen, muss er stets ganz genau aufpassen. „Hörende Studenten können sofort aufschreiben, was der Dozent erklärt. Ich muss mich immer auf die Dolmetscher konzentrieren“, erklärt er die Unterschiede. Eine kurze Unaufmerksamkeit könnte ihn aus dem Konzept bringen. Auch in größeren Gruppen Lehrinhalte nachzuarbeiten oder sich gar in Lerngruppen auf Prüfungen vorzubereiten, ist für ihn unpraktisch, weil die Kommunikation schwierig ist.

Dass die Hochschule in manchen Hörsälen über Anlagen verfügt, an die Hörgeräte angeschlossen werden können, ist ihm zusätzlich eine Hilfe. Noch wichtiger aber ist Zeit. Die braucht er mehr als andere, um sich in Texte einarbeiten zu können. Um die Nachteile auszugleichen, die ihm durch seine Hörbeeinträchtigung entstehen, bekommt er eine Zeitverlängerung für Hausarbeiten. Und bei Prüfungen steht ihm ein Gebärdensprachdolmetscher zur Seite – der schon mal für Überraschungen sorgen kann.

„Ein Student dachte einmal, dass die Übersetzer selbst Studenten sind und quasi Übungen machen. Und er dachte, ich wäre der Prüfer“, erzählt Frederic eine Anekdote aus seinem Hochschulalltag. Solche Reaktionen lassen ihn schmunzeln. Überhaupt, sagt er, seien die Reaktionen auf seine Beeinträchtigungen unterschiedlich, aber immer positiv. „Viele sind neugierig, andere zurückhaltend, aber alle respektieren, dass ich hier studiere. Und manche Dozenten können sich auch in meine Situation hineinversetzen, wenn sie wegen ihres Alters selbst Hörgeräte tragen.“

Probleme im Hochschulalltag habe er keine, sagt er. „Die Professoren wissen, was sie tun müssen und unterstützen mich.“ Mit diesen Voraussetzungen ist er im Studium gut aufgehoben. Dass es technisch bleiben soll, das wünscht er sich. Und dass andere Gehörlose ebenfalls den Mut haben, sich für ein Studium zu entscheiden. Seinen Weg zu gehen und sich ausprobieren, das ist sein Motto. Das hat sich bewährt. So wie damals in der Küche.

Marie: Ich liebe die Reaktion des Publikums

Schon im Kinderchor schulte sie ihre Stimme. Mit 21 feierte sie singend ihr Operndebüt. Der Vorhang öffnet sich, die Musik ertönt und eine wunderbare Stimme schallt über die Saloppe, dem kleinen Freilufttheater direkt an der Elbe in Dresden. Das Stück ist eine Produktion der Serkowitzer Volksoper, bei der die Musikstudentin Marie eine entscheidende Rolle spielt oder besser – singt.

» Ich liebe die Reaktion des Publikums, vor allem zu merken, dass den Menschen eine Begeisterungsfähigkeit innewohnt, die ich mit meinem Gesang wecken kann «, antwortet die 24-jährige Sopranistin auf die Frage, warum sie Operngesang studiert. 2012 feierte sie ihr Operndebüt als Barbarina in der Hochschulinszenierung von Mozarts » Le nozze di Figaro « in Dresden. 2015 konnte sie im Rahmen der Bachwoche in Stuttgart unter Leitung von Hans- Christoph Rademann in einigen Konzerten als Solistin mitwirken. Das alles meistert sie, obwohl sie erst im zweiten Semester Gesang/Oper an der Hochschule für Musik Carl Maria von Weber in Dresden studiert. Doch bevor es auf die Bühne geht, stehen unter anderem Klavierspielen, dramaturgischer Unterricht, Musiktheorie, Bühnentanz und immer wieder Ge sang, Gesang und Gesang auf dem Studienplan. Neben der umfassenden Ausbildung an der Hochschule sind es gerade diese kleinen Produktionen, die den Studenten zeigen, wie später das Berufsleben aussehen wird.

Das Besondere an der Hochschule für Musik Carl Maria von Weber ist, dass bereits während des Studiums Produktionen inszeniert werden. Dafür pflegt die Hochschule eine Kooperation mit dem Staatsschauspiel Dresden. Diese ist einmalig in Deutschland und bietet den Studenten eine Spielstätte, in der sie ihre Inszenierungen regelmäßig einem breiten Publikum präsentieren können.

Marie schult ihre Stimme schon sehr lange – erst im Kinderchor und später beim Gesangsunterricht. Sie hat an der Musikhochschule Dresden ihr Diplom im Fach Gesang absolviert, bevor sie ihr Masterstudium in der Opernklasse begann. Um zu diesem Studiengang zugelassen zu werden, musste sie eine Aufnahmeprüfung in Musiktheorie, Stimm- und Gehörbildung absolvieren und natürlich vorsingen. » Das ist eine sehr aufregende Situation, aber später muss man sich schließlich auch einem kritischen Publikum stellen «, sagt Marie. Die Studienentscheidung hängt ihrer Meinung nach sehr davon ab, wie man später leben möchte. Marie hat vor, als freie Opernsängerin zu arbeiten. Nicht nur beruflich, sondern auch privat genießt Marie Dresden sehr: » Super ist die Kultur-und Kunstatmosphäre in der Stadt. Der Fluss ist wunderschön und ich gehe gern im Prießnitzgrund spazieren. «

Marie begeistert die Menschen mit ihrer Stimme, an der Hochschule lernt sie dafür das Handwerkszeug. Das erkennt auch das Publikum in der Saloppe an und spendet an diesem Abend viel und lange Beifall.